Sport : In guten wie in schlechten Zeiten

Trotz ausbleibender Erfolge halten Mercedes und Formel-1-Pilot Rosberg auch in Zukunft aneinander fest

Karin Sturm[Abu Dhabi]
Weiter in Silber. Rosberg verlängerte seinen Vertrag über 2013 hinaus. Foto: Reuters
Weiter in Silber. Rosberg verlängerte seinen Vertrag über 2013 hinaus. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Nico Rosberg hat durchaus Sinn für historische Zusammenhänge. Bei den Veranstaltungen seines Arbeitgebers Mercedes hat der Formel-1-Pilot nicht nur Augen für Häppchen und Champagnergläser, sondern schaut sich auch die Einspielfilmchen auf den Bildschirmen genauer an. „Wenn ich dann die alten Filme sehe, mit Fangio, dann denke ich immer: Wenn ich das schaffen würde, mit Mercedes zu gewinnen, mit einem Silberpfeil die Nummer eins zu werden, dann wäre das der absolute Hammer.“ Seit ein paar Tagen ist die Wahrscheinlichkeit dafür ein bisschen gestiegen, dass Rosberg künftig auf den Spuren des fünfmaligen Weltmeisters Juan Manuel Fangio wandern kann: Vor dem heutigen Großen Preis von Abu Dhabi verkündete Mercedes die Vertragsverlängerung mit dem gebürtigen Wiesbadener über das Jahr 2013 hinaus. Über genaue Laufzeiten schweigt man sich aus, die Spekulationen gehen dahin, dass es eine Verlängerung bis einschließlich 2014 ist, mit Option auf 2015.

Die Verlängerung kam durchaus überraschend. Vor Kurzem war Rosberg noch als Nachfolger von Felipe Massa bei Ferrari gehandelt worden. Dass er diese Möglichkeit nicht weiter verfolgte, erstaunte einige im Fahrerlager – aber Rosberg sieht die historische Bedeutung von Mercedes mindestens genauso hoch wie die von Ferrari, „und für mich als Deutschen vielleicht sogar noch ein bisschen höher“.

Bei Mercedes sieht man die Vertragsverlängerung nach zwei mäßigen Jahren als Aufbruchssignal. „Wir wissen, dass Nico ein Fahrer ist, der Rennen und Weltmeisterschaften gewinnen kann“, sagte Teamchef Ross Brawn. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug lobte Rosberg als „einen der schnellsten, talentiertesten und konstantesten Fahrer im Feld. Seine Professionalität ist unübertroffen.“

Dabei war in den letzten Monaten immer mehr der Eindruck entstanden, dass Rosbergs Stallgefährte Michael Schumacher im Mercedes-Team vor allem politisch wieder die Führung übernommen habe. Rosbergs Renningenieur Jock Clear wurde abgezogen und fungierte plötzlich als Stratege für Schumacher, es gab ein paar Strategieentscheidungen, über die sich Rosberg wunderte. Zuletzt in Indien, als er früher an die Box geholt wurde als Schumacher und dadurch hinter ihn zurückfiel. Dass sich Rosberg nun von seiner vorzeitigen Verlängerung auch eine Stärkung im politischen Sinne verspricht, ist zumindest nicht völlig abwegig. Neben dem Wunsch, dort etwas aufbauen und dann krönen zu können – so wie Sebastian Vettel zurzeit bei Red Bull oder Schumacher einst bei Ferrari.

Letzterem war zuletzt nachgesagt worden, er habe ein Handschlagabkommen mit Brawn abgeschlossen, auch 2013 noch zu fahren. Dies bestritt der siebenmalige Weltmeister in Abu Dhabi. Es sei nicht der Zeitpunkt, um über Vertragsverlängerungen zu reden, „ob und wie lange ich das für meine Zukunft will, das muss ich zu gegebener Zeit für mich selbst entscheiden“. Ein wichtiges Kriterium dafür dürfte sein, wie gut der Mercedes 2012 wird. Klappt es da immer noch nicht mit vorderen Platzierungen, könnte es durchaus sein, dass Schumacher noch ein Jahr dranhängt. Gegenüber Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche soll er sich bereits entsprechend geäußert haben.

Der in 106 Rennen noch sieglose Rosberg schätzt das mittelfristige Potenzial bei Mercedes jedenfalls so gut ein, dass er sich für einen Verbleib entschied. „Ich habe sicher überlegt, aber Mercedes ist mein Wunschteam“, sagte der 26-Jährige. „Natürlich waren die Ergebnisse nicht wie erhofft, aber der letzte Entschluss kam nach dem Sommer, nachdem ich gesehen habe, dass alle im Team Vollgas geben. Jeder will hier, dass das Team das beste in der Formel 1 wird.“ Auch die Aufstockung des Teams und die nun insgesamt fünf Technischen Direktoren würden dazu beitragen. „Wir benötigen noch etwas Geduld, aber ich bin sicher, dass sich dann die Erfolge zwangsläufig einstellen werden.“ Im nächsten Jahr will Rosberg „konstant um Podestplätze mitfahren“, das sei „ein realistisches Ziel“. Das allerdings hatte er auch vor dieser Saison ausgegeben.

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