Sport : In ihrer eigenen Liga

Serena Williams schlägt ihre Lieblingsgegnerin Maria Scharapowa auch im Finale der French Open.

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Kraftvoll zum Titel. Serena Williams prügelte im Finale mit enormer Wucht auf die Bälle, die nicht selten bis zu 20 Mal das Netz passierten. Foto: AFP
Kraftvoll zum Titel. Serena Williams prügelte im Finale mit enormer Wucht auf die Bälle, die nicht selten bis zu 20 Mal das Netz...Foto: AFP

Es ist nicht so, dass Maria Scharapowa keine Geräusche von sich geben würde, wenn sie Tennis spielt. Das Gestöhne der Russin wird vielmehr inzwischen mit Dezibel-Höhen verglichen, wie sie Anwohner von Flughäfen als Lärmbelästigung ertragen müssen. Doch an diesem Nachmittag auf dem Court Philippe Chatrier waren es mehr als ihre üblichen Laute, die den 15 000 Zuschauern in den Ohren hallten. Scharapowa schrie nach jedem einzelnen Punktgewinn ein so erschütterndes „Come on!“ heraus, dass sich ihre Stimme überschlug. Mit finsterer Miene reckte sie dabei die Faust in Richtung Serena Williams. Bissig wollte sie der Amerikanerin demonstrieren, dass sie sich mit allem, was sie hatte, wehren würde. Dass sie sich gegen ihre 13. Niederlage in Folge gegen Williams stemmen und ihren Titel bei den French Open nicht kampflos hergeben würde. Mehr konnte man es nicht wollen, als es Scharapowa tat. Dennoch gewann Williams das Finale von Roland Garros 6:4, 6:4 und damit ihre 16. Grand-Slam-Trophäe.

Als das zehnte Ass unerreichbar neben Scharapowa einschlug, sank Williams mit einem spitzen Schrei auf die Knie und verharrte einen Moment in ihrer Siegerpose. „Ich war so nervös vor dem Match, weil ich so unbedingt gewinnen wollte“, sagte sie zunächst auf französisch: „Unglaublich, dass ich es geschafft habe.“ Schon im Jahr 2002 hatte sie bis dato zum einzigen Mal in Paris gewonnen, damals war ihre Mähne noch zu dünnen Rastalocken geknüpft und platinblond gefärbt. Nun war Williams in der Geschichte der French Open mit ihren 31 Jahren und 247 Tagen die älteste Siegerin geworden und schien doch besser zu spielen, als je zuvor. „Alter ist doch nur eine Zahl“, sagte sie, „ich fühle mich toll und sehe fabelhaft aus. Ich bin noch längst nicht auf dem Höhepunkt.“ Seit sie vor einem Jahr in Paris in der ersten Runde sensationell ausschied, hat die Jüngere der beiden Williams-Schwestern nur noch drei Matches auf der Tour verloren und ging mit einer Serie von 30 Siegen in Folge in ihr 20. Grand-Slam-Endspiel. Ihre Halbfinalgegnerin Sara Errani hatte Williams in 46 Minuten abgefertigt, nichts und niemand schien die Nummer eins der Welt selbst auf der früher eher ungeliebten roten Asche stoppen zu können.

Auch Scharapowa gelang es nicht. Als Weltranglistenzweite hebt sie sich ebenfalls vom restlichen Feld ab. Doch auch wenn beide gerne die Punkte von der Grundlinie diktieren, hart aufschlagen und über einen bedingungslosen Siegeswillen verfügen, spielt Williams doch in ihrer ganz eigenen Liga. „Ich habe gekämpft, aber es war nicht genug“, sagte Scharapowa, „Serena war einfach zu gut.“ Vor neun Jahren konnte sie Williams zuletzt besiegen, allein in dieser Saison hatte die Russin schon vier Mal das Nachsehen gehabt. Am dichtesten war Scharapowa noch im März auf dem Hartplatz von Miami daran gewesen, den Fluch zu brechen: Sie führte mit 6:4 und 3:2, bis sich Williams mit zehn Spielen in Folge noch den Sieg holte.

„Es fängt ja wieder bei null an“, hatte sich Scharapowa vor dem Finale Mut gemacht, „man muss bis zum letzten Punkt daran glauben.“ Sie probierte es mit besonders aggressivem Spiel und Risiko in beiden Aufschlägen. Zunächst sollte ihre Taktik aufgehen, als sie mit 2:0 in Führung ging. Aber Williams sollte sich immer weiter steigern. Dennoch wurde jedes Spiel so umkämpft wie lange nicht zwischen ihnen. Beide prügelten mit enormer Wucht auf die Bälle, die nicht selten bis zu 20 Mal das Netz passierten, und variierten mit Netzangriffen. Selten hatte man ein Damenfinale auf derart hohem Niveau in Roland Garros gesehen.

Der böige Wind, der ins Stadion blies, machte beiden Akteurinnen das Leben schwer. Doch Williams fegte selbst immer wieder mit ihrer gewaltigen Vorhand wie ein Orkan über den Platz. Bei jedem Aufschlagspiel geriet Scharapowa mehr unter Druck. Und am Ende reichte Williams im zweiten Satz ein Break, um zu klarzustellen, dass es nur eine gibt, die dieses Spiel am Besten spielt.

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