Sport : In Leipzig zu Hause

Ogungbure wird nach dem Rassismus-Skandal gefeiert

Mathias Klappenbach[Leipzig]

Man kann sich fotografieren lassen, mit schwarz angemaltem Gesicht. Für die antirassistische Aktion „Wir sind Ade“. Und auf Höhe der Mittellinie hängt ein großes Transparent: „Chemie-Fans gegen Rassismus und Diskriminierung.“ Chemie – so hieß früher der FC Sachsen Leipzig, dessen Spieler Adebowale Ogungbure vor einer Woche beim Auswärtsspiel in Halle nicht nur mit rassistischen Beleidigungen geschmäht, sondern auch angespuckt und geschlagen worden war. Ogungbure hatte sich schließlich mit dem Hitlergruß gewehrt, auch deshalb erregte der Fall so viel Aufsehen. Heute hat der Nigerianer ein Heimspiel. Im Leipziger Zentralstadion, wo der FC Sachsen seine Spiele in der Oberliga Süd des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes austrägt, sind die Fans nicht so eng am Spielfeld wie auf den anderen Plätzen in der vierten Liga, wo Ogungbure auswärts jede zweite Woche mit üblen Schmähungen beschimpft wird.

Die Fotoaktion war deshalb schon vor den Vorfällen von Halle gestartet worden, zuerst ließen sich Ogungbures Teamkollegen ablichten. Der Nigerianer ist Abwehrchef und Leistungsträger der Leipziger, die seinen auslaufenden Vertrag gerne verlängern würden. Dafür muss laut Ogungbure die Perspektive stimmen. Sportlich. Gegen den VFC Plauen geht es im Verfolgerduell am Sonntag darum, wer vielleicht doch noch den Spitzenreiter 1. FC Magdeburg gefährden und in die Regionalliga aufsteigen kann. Kurz vor dem Anpfiff sprintet Ogungbure nervös auf und ab, als seine Mitspieler schon auf den Spielbeginn warten. Dann hält der 24-Jährige aber seine Abwehr zusammen, die Aufregung der vergangenen Woche ist ihm nicht anzumerken. Nach gelungenen Aktionen wird er von den Fans gefeiert.

Ogungbure hat schon ein paar Spiele in der Bundesliga und viele in der Zweiten Liga gemacht, heute verlieren sich 2934 Zuschauer in der Leipziger WM-Arena. Ein paar Hundert Fans aus Plauen sind auch da. Besondere Schmähungen sind nicht zu hören, sie pfeifen Ogungbure genauso oft aus wie die anderen Leipziger Spieler. Die meiste Zeit feiern die Plauener aber ihre eigene Mannschaft, die das Spiel 3:2 gewinnt. An den Gegentoren trifft Ogungbure keine Schuld, nach der Niederlage trottet er wie seine Mitspieler mit hängendem Kopf vom Platz. In die Kabine kann er aber noch nicht. Erst wollen alle Ballmädchen und Balljungen noch ein Autogramm.

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