Sport : In letzter Sekunde

Nach 19 Punkten Rückstand wird Alba Berlin durch ein 82:80 gegen Rhein Energie Cologne doch noch Basketball-Pokalsieger

Benedikt Voigt

Berlin. Mithat Demirel dribbelt. 4,6 Sekunden stehen auf der Uhr, 80:80 zeigt die Anzeigetafel. Der Aufbauspieler von Alba Berlin hat den Ball in der eigenen Hälfte zugeworfen bekommen, er dribbelt über die Mittellinie, dribbelt vorbei an einem Kölner Gegenspieler, der sich ihm an der Seitenlinie in den Weg stellt, er dribbelt zum Korb von Rhein Energie Cologne. Und wirft ihn aus vollem Tempo in den Korb. Auf der Uhr stehen 0,0 Sekunden, die Anzeigetafel zeigt 82:80. Alba Berlin ist Basketball-Pokalsieger 2003.

Es ist erst der zweite Titel, den Alba Berlin ohne seinen langjährigen Topscorer Wendell Alexis erringt. Nur beim Korac-Cup-Sieg 1995 gehörte der US-Amerikaner ebenfalls nicht zur Mannschaft. Albas vor dieser Saison neu formierte Mannschaft wollte zeigen, dass auch dieses Team fähig ist, Titel zu holen. Doch zu Beginn sah es überhaupt nicht gut für die Berliner aus, die auf den verletzten Nationalspieler Marko Pesic verzichten mussten. Nach sechs Minuten lag Alba gegen Köln 2:21 im Rückstand.

Trainer Emir Mutapcic hatte alles versucht, um den Fehlstart zu verhindern. Hatte nach drei Minuten (2:11) die erste Auszeit genommen, hatte Mithat Demirel, den angeschlagenen Jovo Stanojevic und Kevin Rankin eingewechselt. Doch Alba wirkte geschockt. Es dauerte bis zur achten Minute, bis Alba vor 8167 Zuschauern besser ins Spiel kam. Vor allem Aufbauspieler Demirel, der bis zur Halbzeit elf Punkte erzielte, hatte sein Team angetrieben. Henrik Rödl hatte sich den kleinen Finger ausgerenkt, kam aber später wieder ins Spiel zurück. Albas Arzt Gerd-Ulrich Schmidt sagte: „Heute gibt es keine Schmerzen.“

Bis zum Ende des ersten Viertels war der Titelverteidiger auf 15:27 an Köln herangerückt, fünf Spielminuten später war das Spiel wieder ausgeglichen: 30:32. Der Kölner Aufbauspieler CC Harrison war mit 16 Punkten in der ersten Halbzeit dafür verantwortlich, dass sein Team zur Halbzeit noch mit fünf Punkten führte. Doch Alba hielt in der Offensive das Tempo hoch, und konnte in der 22. Minute durch einen Treffer von Teoman Öztürk zum ersten Mal in diesem Finale in Führung gehen: 49:47. Die harte Mannverteidigung der Berliner bereitete Köln zunehmend Schwierigkeiten, und Nationalspieler Demirel traf jetzt auch aus acht Meter Entfernung in den Korb. Vor dem abschließenden Viertel führte Alba mit sechs Punkten.

Als Quadre Lollis sich acht Minuten vor dem Ende mit seinem fünften Foul verabschiedete, übernahm Vladimir Petrovic in der Offensive mit fünf Punkten in Folge Verantwortung. Alba ging mit einer 79:75-Führung in die letzten beiden Spielminuten. Nach zwei getroffenen Freiwürfen von Obradovic konnte Stanojevic 30 Sekunden vor dem Ende einen Freiwurf zum 80:77 verwandeln. Kölns Bogojevic traf ebenfalls nur einen Freiwurf, doch Rödl warf einen Einwurf sofort ins Aus, weshalb Köln noch eine Ausgleichschance besaß, die der überragende Obradovic auch prompt nutzte: 80:80. 4,6 Sekunden hatte Alba noch, um das Spiel zu entscheiden. Dann kam Mithat Demirel.

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