In Mainz : Hertha verspielt die Wende

Es ist die vierte Niederlage in Folge - und bedeutet Platz 17 für die Hertha: Die Berliner führen bis kurz vor Schluss 1:0 in Mainz und verlieren am Ende 1:2.

Sven Goldmann[Mainz]
Hertha
Der Mainzer Aristide Bance (r) im Zweikampf mit Berlins Steve von Bergen. -Foto: ddp

Hertha BSC geht schweren Zeiten entgegen. Wen wollen die Berliner in der Fußball-Bundesliga denn noch besiegen, wenn nicht Aufsteiger Mainz 05, der eine Viertelstunde vor Schluss so gut wie geschlagen schien? Bis zur 79. Minute durfte Hertha vom zweiten Saisonsieg träumen, es wurde dann doch die vierte Niederlage hintereinander. Vor 20 200 Zuschauern im ausverkauften Stadion am Mainzer Bruchweg hieß es am Ende 1:2 (1:0), weil Hertha am Schluss komplett zusammenbrach. In diesem unerfreulichen Rahmen gab der neue Hoffnungsträger sein Debüt. Der kolumbianische Stürmer Adrian Ramos spielte die letzten acht Minuten mit, blieb aber ohne prägenden Einfluss.

Für einen anderen Neuzugang war das Debüt schon beendet, bevor es so richtig begonnen hatte. Nach fünf Minuten machte Florian Kringe zum ersten Mal das, was Trainer Lucien Favre von ihm sehen will: Tempo auf der linken Seite. Am eigenen Strafraum startete der frühere Dortmunder mit dem Ball, wurde immer schneller, aber als er gerade die Mittellinie überqueren wollte, grätschte ihm der Mainzer Elkin Soto in den Lauf. Es war keinesfalls eine unfaire Aktion, aber eine, die für Kringe sehr schmerzhaft endete. Ein paar Minuten lang humpelte er noch über den Platz, leitete mit einem schönen Pass sogar noch eine gefährliche Situation ein, aber danach war Schluss. Kringe machte Platz für Maximilian Nicu.

Der frühe Wechsel erinnerte ein wenig an das Berliner Gastspiel vor ein paar Monaten in Hoffenheim. Damals hatte, ebenfalls auf der linken Seite, der Argentinier Leandro Cufre früh passen müssen, Nicu kam von der Bank und Hertha wahrte mit einem 1:0-Sieg die Chance auf die Meisterschaft. Seitdem ist einiges passiert, auch und vor allem im Tabellenbild, aber für Nicu hätte es wieder ein denkwürdiger Tag werden können.

Zwar liefen die meisten Berliner Angriffe nicht über seine linke Seite, sondern über die rechte von Patrick Ebert. Doch genau davon sollte Nicu profitieren, in jener 50. Minute, in der sich alles zum Guten für Hertha zu wenden schien. Christoph Janker spielte tief auf Ebert, der bis fast an die Eckfahne lief und dann aus vollem Lauf in die Mitte flankte. Dort stand Cicero, der einen Schuss antäuschte, den Ball aber passieren ließ zu Nicu. Der hatte alle Zeit der Welt, den Ball mit rechts flach zum 1:0 ins rechte Eck zu zirkeln.

Es war im fünften Bundesligaspiel erst das zweite Mal, dass die Berliner die Annehmlichkeiten einer Führung genossen. Ihr aus der verstärkten Defensive aufgezogenes Spiel gestaltet sich einfacher gegen eine Mannschaft, die einem Rückstand hinterherläuft und damit Raum für Konter lässt. Mit diesem Stil hat Hertha in der vorigen Saison bis zum vorletzten Spieltag um die Meisterschaft mitgespielt. In dieser Saison wird die Mannschaft wohl nicht mehr in diese Position kommen, zumindest aber hat sie den Anspruch, im vorderen Mittelfeld mitzuspielen.

Auf dem Weg dorthin hätten die Mainzer ein angenehmer Aufbaugegner sein können. Sie hatten Spaß am Stürmen, verfügen aber nur über limitierte Möglichkeiten, mit denen sie das noch im Entwicklungsstadium steckende Berliner Gebilde nicht zum finalen Belastungstest hätten zwingen müssen. Eine Dreiviertelstunde lang blieb der Aufsteiger, vor drei Wochen immerhin Bezwinger des FC Bayern, ohne echte Torchance. Die Mainzer schienen demoralisiert, und dass sie noch einmal zurück ins Spiel fanden, darüber wird Lucien Favre mit seinen Spielern wohl noch laut und deutlich zu reden haben.

Alles begann mit einer Nachlässigkeit von Janker, Aristide Bancé vergab die daraus resultierende Chance frei vor Herthas Torhüter Jaroslav Drobny. Jetzt aber lief das Mainzer Spiel. Nemanja Pejcinovic trat den eingewechselten Adriano Gimaldi im Strafraum um, den fälligen Elfmeter verwandelte Andreas Ivanschitz zum Ausgleich. Favre brachte seinen neuen Stürmer Adrian Ramos für Wichniarek, aber das entscheidende Tor fiel auf der anderen Seite. Bancé schloss einen Konter im eigenen Stadion mit dem 2:1 ab und schoss Hertha damit auf Platz 17.

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