Sport : "In meinem Blut ist doch kein Benzin"

Peter Sauber setzt in der neuen Saison auf Ferrari-Motoren/"Frentzen sitzt jetzt im besten Auto, das gönnen wir ihm alle"Peter Sauber (53) war 1970 Schweizer Sportwagenmeister.Als Konstrukteur war er 1989 und 1990 Sportwagen-Weltmeister, 1989 Doppelsieger in Le Mans.Die Zusammenarbeit mit Mercedes endete 1991 mit dem Ausstieg von Mercedes aus der Formel 1.Mit dem Chef des Sauber-Petronas-Rennteams sprach Hartmut Moheit in Zürich. Frage: Was war für Sie das Positive an der vergangenen Formel-1-Saison? Sauber: Wenn man ein Negativerlebnis hat, hat das immer auch eine positive Seite.Wir waren mit einem neuen Cosworth-Motor gestartet, von dem wir zuviel erwartet haben - Cosworth, Ford und Sauber.Die Enttäuschung war groß, aber um so mehr wurden die Anstrengungen auf der Fahrzeugseite forciert.Darauf läßt sich 1997 aufbauen. Frage: Sonst wird das Team Sauber aber als "Verlierer des Jahres" eingestuft. Sauber:Die Wahrheit hört man selten gern.Diese Einschätzung trifft uns zwar, hat aber ihre Richtigkeit. Frage: Woher kommt die Motivation zum Weitermachen? Sauber:Wenn man Sport betreibt, ist es wichtig, immer wieder vorne beginnen zu können.Bei der Analyse des letzten Jahres haben wir herausgefunden, daß wir in wichtigen Details konkurrenzfähig waren.Ich bin davon überzeugt, daß unser Fahrzeug nicht so schlecht war, wie es sich in den WM-Wertungen darstellte. Frage:Sie sollen gesagt haben: "Die Formel 1 paßt eigentlich gar nicht zu mir." Sauber: Derartige Zitate im Zusammenhang mit der Formel 1 und meiner Person sind zumeist von den Medien gemacht worden.Das möchte ich nicht kommentieren. Frage: Was stört Sie an der Szene? Sauber:Ich habe vor fünf Jahren genau gewußt, was auf mich zukommt.Und ich habe alles so angetroffen, wie ich es erwartet habe.Es ist sinnlos, etwas zu kritisieren, wenn ich weiß, worauf ich mich eingelassen habe.Bei SachFragen, so der Sicherheit, ist das etwas anderes. Frage: Das Hauptinteresse der Medien in der neuen Saison wird den deutschen Fahrern gehören.Haben Sie nach dem Wechsel von Frentzen zu Williams mit Absicht keinen Deutschen verpflichtet? Sauber: Wir haben uns zehn Jahre lang mit Mercedes identifiziert.Früher war Sauber praktisch Mercedes.Wir haben ein gutes Stück dazu beigetragen, daß es in Deutschland überhaupt hochkarätigen Motorsport gibt.Schumacher und Frentzen waren beide bei uns.Ich habe sehr viel für den deutschen Motorsport getan.Bei uns beginnt jetzt eine neue Ära, mit einem englischen und einem italienischen Fahrer. Frage: Sauber-Petronas V10 heißt ihre Zauberformel für die neue Saison.Wäre ihr Coup mit den Ferrari-Motoren wegen einer Indiskretion wirklich beinahe geplatzt? Sauber:Ich glaube, daß diese Gefahr bestand.Einige Tage lang war die Situation sehr kritisch - und das alles wegen eines Formfehlers. Frage:Mit über 730 PS Leistung wäre ihr Team 1997 konkurrenzfähig. Sauber: Auch wenn die Besten vielleicht 750 PS haben werden, die Differenz ist für uns viel kleiner geworden, ein wesentlicher Schritt nach vorn. Frage: Am 9.März beginnt die neue Saison, andere Teams testen bereits, nur von Sauber ist nichts zu hören... Sauber:Wir wußten, wenn dieser Deal mit Ferrari klappen würde, daß wir in Verzug geraten.Das akzeptieren wir, selbst wenn die ersten Meter vor dem ersten Grand Prix in Melbourne gefahren werden.Zwei Monate sind wir hinterher. Frage: Wird Sauber eine Ferrari-Unterabteilung, mit den neuen V10-Triebwerken, mit dem zu Ihnen gewechselten Motor-Spezialisten Osamu Goto, dem übernommenen Elektronikpartner Magneti Marelli und dem von Ihnen verpflichteten Ex-Ferrari-Testpiloten Nicola Larini? Sauber:Ich glaube nicht.Mit Goto waren wir uns bereits vorher einig, wollten mit ihm eigentlich den Yamaha-Motor weiterentwickeln.Mit Larini beabsichtigten wir, die Verbindung zu festigen, das stimmt. Frage: Was war entscheidend für diese Verbindungen? Sauber:Ich habe ein gutes Verhältnis zu Rennleiter Jean Todt von Ferrari.Mein Partner Fritz Kaiser hatte über Gerhard Berger ebenfalls gute Kontakte zu Todt. Frage: Woran fehlte es in den vergangenen Jahren, als ihre Rennwagen mit Cosworth-Triebwerken fuhren?Sauber: Die Motoren waren einfach zu schwach, vor allem der V8 vor zwei Jahren. Frage: Wie beurteilen Sie denn den Wechsel Ihres vorjährigen Fahrers Heinz-Harald Frentzen zum WM-Favoriten Williams? Sauber:Er ist für mich kein Gegner.Er hat uns nicht verlassen, vielmehr war der Vertrag beendet.Frentzen sitzt jetzt im besten Auto, das gönnen wir ihm alle.Daß wir ihn nicht gern weggelassen haben, ist eine andere Sache.Ich gebe ihm eine Chance auf den Titel.Sein größtes Handicap ist, daß er mit Villeneuve einen Top-Mann im Team hat, so daß sie sich möglicherweise gegenseitig die Punkte abjagen.Für andere Fahrer, so Berger bei Benetton oder Häkkinen bei McLaren, ist das eine Chance. Frage:Was fasziniert Sie an der Szene? Sauber:Ich bin zufällig 1968 zum Rennsport gekommen.Die technische Herausforderung hat mir gefallen in einem Bereich, in dem die Technik sehr ästhetisch ist, die sich auch in Sport und letztlich in Plazierungen umsetzen läßt.Die Kombination von Sport, Zirkus und Hightech finde ich einmalig. Frage: Liegt Ihnen der Zirkus? Sauber:Ich eigne mich nicht zum Zirkusdirektor, aber Zirkus ist für sich etwas Faszinierendes.Irgendwo brauchen auch wir die Show.Sie können aus einem klassischen Stück nicht einfach den Baß herauslassen. Frage:Wenn Sie könnten, was würden Sie in der Formel 1 schnellstens ändern? Sauber:Ich akzeptiere die Formel 1, wie sie ist.Auch in SicherheitsFragen: Ohne Risiko kann man keinen Sport betreiben.Die Autos und Strecken sollten zwar immer verbessert werden, aber der Respekt der Fahrer vor ihrem Sport darf dabei nicht verloren gehen. Frage: Was trauen Sie Iren Fahrern Johnny Herbert und Nicola Larini 1997 zu?Sauber: Herbert ist ein Fahrer mit großer Routine, der viel herausholen kann.Larinis Einstufung fällt mir schwer.Die Italiener stellen ihn so dar, daß er ein Auto auch ins Ziel bringen kann... Frage: Wer ist Ihr Favorit auf den WM-Titel? Sauber: Frentzen, Villeneuve, Schumacher, Berger, Häkkinen - einer von ihnen wird es schaffen. Frage:Warum treiben Ihre Söhne keinen Motorsport? Sauber:In meinem Blut ist doch kein Benzin, ich bin damals zufällig dazu gekommen.Bis 1968 kannte ich überhaupt keinen Motorsport.Und so wird es in unserer Familie wohl auch bleiben.Sie akzeptieren meinen Job.

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