Sport : In Moabit steht bereits ein Mahnmal (Glosse)

Karsten Doneck

Der Gedanke hat etwas Kurioses: Der 1. FC Union steigt auf in die Zweite Fußball-Bundesliga und trägt seine Heimspiele fortan im Mommsenstadion aus. Ausgerechnet in der Heimstätte des Erzfeindes Tennis Borussia. Undenkbar? Nicht für Manfred von Richthofen. In seiner Funktion als Präsident des Landessportbundes Berlin hat er empfohlen, Union solle im Falle des Aufstiegs umziehen. Jahnsportpark, Olympiastadion und Mommsenstadion stünden zur Auswahl.

Union spielt im Stadion an der Alten Försterei. Eine idyllisch gelegene, etwas heruntergekommene Anlage, in der Fans, auch ohne Fernglas, das Spiel noch hautnah miterleben. Die Arena soll mit 3,2 Millionen Mark vom Senat zweitliga-tauglich gemacht werden. Diese Investition stört von Richthofen. Andere Sportstätten müssten dringender saniert werden, meint er.

Berlin sollte froh sein, wenigstens noch über ein reines Fußballstadion zu verfügen. Union muss dort bleiben. Nicht nur, weil der Verein traditionell nach Köpenick gehört. Mit Traditionen darf man bei der Zusammenführung von Ost und West und West und Ost auch mal brechen. Es existiert da aber auch noch ein ganz pragmatisches Argument. Würde sich Union eine neue Heimat suchen, wäre die Sanierung des Stadions in der Wuhlheide bis zum Sankt Nimmerleinstag aufgeschoben, der Spielstätte würde die allmähliche Verrottung drohen. Das Poststadion in Moabit gilt da längst als eine Art Mahnmal.Aus der Reihe "Im Spiegel des Tages"

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