Sport : In Nürnberg scheiterte Tennis Borussia am überragenden Torwart der Gegner

Benedikt Voigt

Ganz leise hatte Winfried Schäfer gestöhnt. Doch weil der Trainer von Tennis Borussia ein Mikrophon vor dem Mund hatte, hörten es alle Anwesenden im Pressekonferenzsaal des Nürnberger Frankenstadions. "Ouh", vernahmen die Journalisten über die Lautsprecheranlage, dann folgten Aussagen wie: "Haben Nürnberg stark gemacht; hätten besser flanken müssen; leider nicht gereicht." Am Ende hörte man von Schäfer wieder: "Ouh".

Es fällt schwer, so eine Niederlage hinzunehmen wie jenes 0:2 im Zweitliga-Spitzenspiel beim 1. FC Nürnberg. Das Eckenverhältnis von 9:2 spiegelt die Überlegenheit von Tennis Borussia wider. Doch mit ihren Torschüssen waren die Berliner am überragenden Nürnberger Torwart Andreas Köpke oder am eigenen Unvermögen gescheitert. Nürnbergs Trainer Friedel Rausch kommentierte: "Wir haben die Tore gemacht, also haben wir auch verdient gewonnen."

Doch was für ein seltsames Tor war dieses 0:1 in der 3. Minute durch Stefan Leitl gewesen. "Wir sind auf kaltem Fuß erwischt worden", sagt Andreas Hilfiker und meinte in erster Linie sich selbst. Denn der Torwart von Tennis Borussia hatte bei dem Freistoß des jungen Nürnberger Vertragsamateurs von der Seitenauslinie mit einer Flanke gerechnet. Doch Leitl trat den Ball ins ungedeckte Eck. "Das ist gut gelaufen für Nürnberg", findet Hilfiker, "die haben nämlich Probleme, das Spiel zu machen." Diese Aufgabe musste ab der dritten Minute Tennis Borussia übernehmen. Die Gastgeber verlegten sich vor 10 500 Zuschauern auf das Kontern. Erst verhinderte Hilfiker gegen Martin Driller (29.) und Leitl (64.) noch Schlimmeres, gegen Drillers Nachschuss zum 2:0 in der 66. Minute war er schließlich machtlos.

Mit dem Aufstiegsplatz in der Winterpause sieht es nun schlecht aus. Tennis Borussia fiel auf Platz vier zurück und kann den dritten Platz nicht mehr aus eigener Kraft erreichen. "In der Winterpause stehen wir auf Platz drei", hatte Schäfer immer wieder versprochen. Nun, da diese Ankündigung wahrscheinlich nicht eintrifft, verteidigt der Trainer seine Aussage: "Ja, was soll ich denn sonst sagen?" Sieben Spiele, sieben Punkte lautet die aktuelle Bilanz von Tennis Borussia. Zu wenig für einen Klub, der aufsteigen will. "Gott sei Dank spielen wir schon wieder am Freitag gegen Chemnitz", sagt Hilfiker, "da kann man sich gleich auf das nächste Spiel konzentrieren." Weil Bochum und Chemnitz in der Tabelle näher rücken, steht TeBe gegen Chemnitz unter noch größerem Druck. "Wir müssen gewinnen", verlangt Hilfiker. Allerdings muss Schäfer dann auf Verteidiger Marco Walker verzichten, der in Nürnberg seine fünfte Gelbe Karte sah. Sasa Ciric fehlt ebenfalls weiterhin wegen einer Innenbanddehnung.

Apropos Ciric. Der verletzte Angreifer von Tennis Borussia, der vor der Saison vom 1. FC Nürnberg gekommen war, ging vor dem Spiel in die Nürnberger Fankurve und ließ sich dort feiern. Ciric hatte bereits ein paar Mal seine Unzufriedenheit über die Situation bei Tennis Borussia kundgetan, doch laut Schäfer hatte er sich auch bereit erklärt, bei TeBe zu bleiben und mit dem Verein aufzusteigen. "Ohne Sasa habt ihr keine Chance", sangen die Nürnberger Fans über ihren ehemaligen Liebling. Als ein Journalist Schäfer von dem Ausflug Cirics zu den Nürnberger Fans berichtete, dachte der Trainer erst 30 Sekunden nach. "Er sollte sich mit dem Verein identifizieren, bei dem er unterschrieben hat", sagte Schäfer dann, "aber eigentlich möchte ich dazu lieber gar nichts sagen." Er hatte sich auch genug geärgert an diesem kalten und unerfreulichen Dezemberabend.

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