Sport : In Rivalität vereint

Was sich Michael Stich und Boris Becker in der Beckmann-Talkshow zu sagen hatten

Andrea Dernbach

Keine irdische Gewissheit ist ewig. Jetzt ist es sogar um die Feindschaft zwischen Boris Becker und Michael Stich geschehen. In Reinhold Beckmanns ARD-Talkshow haben sich die beiden – versöhnt? Nein, das nicht, aber sie haben erstaunlich selbstkritisch über ihre lange Rivalität geredet.

Becker gestand offen seinen Neid, ausgerechnet auf das, was die Tennisgemeinde bisher mit dem Idol Becker verband. „Er war begabter als ich. An einem guten Tag war Michael einfach nicht zu schlagen.“ Dafür habe er sich nicht mal schinden müssen und sei nie ernsthaft verletzt gewesen. Becker – das Arbeitstier, Stich – die lockere Spielernatur. Stimmt, sagt Stich, er habe Tennis immer als Spiel gesehen, auch als er längst Profi war. Dass er das Spiel nur auf dem Platz beherrschte, auf Journalistenfragen kurze, wohlüberlegte Antworten lieferte statt Stoff für Gefühle, sieht er als Grund dafür, dass das Publikum ihn nie liebte wie seinen Helden Boris. Außerdem kam er später, der andere war längst da. „Vielleicht“, sagt der, „war Deutschland zu klein für zwei gute Tennisspieler.“

Und manche Kabine ganz offenbar auch: Nicht einmal da redeten die Sportsfeinde miteinander, vor einem Doppel nur das Nötigste, und wenn mal ein Wort fiel – nein, das wolle er nicht wiederholen, sagt Stich, „das war nicht jugendfrei“. Becker seinerseits habe ihn gelegentlich in Situationen gebracht, „dass ich dachte, jetzt langt es“. Der stimmt zu: „Ich habe sicher übertrieben.“ Und: „Im Rückblick schäme ich mich für viele Dinge.“

Ob man jetzt befreundet sei? Stich verneint ausführlich, Becker widerspricht nicht, macht aber, nach den Komplimenten und Schuldbekenntnissen, noch einen weiteren Werbeversuch: Er umarmt den Ex-Rivalen. Der erstarrt.

Etwas muss aber passiert sein. Als Beckmann nicht mehr darauf besteht, spricht Stich das Wort doch aus: „Kann ja der Anfang einer Freundschaft sein.“ Vielleicht redet man fürs Erste einfach mehr vom Tennis: Donnerstag, am Hamburger Rothenbaum, spielen sie wieder.

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