Sport : In Sachen FC Bayern

Die Liga prüft den umstrittenen Vertrag der Münchner mit Kirch – Berliner Anwalt erstattet Strafanzeige

Daniel Pontzen[Klaus Rocca],Michael Rosentritt

Berlin . Der Geheimvertrag zwischen Bayern München und der insolventen KirchGruppe hat ein Nachspiel. Rudi Assauer, Manager von Schalke 04, sagte, es sei „moralisch anfechtbar“, sollten sich die Bayern in Unwissenheit der anderen Vereine zusätzliche Millionen-Zahlungen bei Kirch gesichert haben. „Der Pakt der Solidarität wäre gebrochen“, so Assauer. Derweil hat ein Berliner Jurist Strafanzeige gegen den Verein und KirchMedia wegen des Verdachts der Bestechlichkeit gestellt. Auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) wird sich mit dem Vertrag beschäftigen. „Überprüft werden muss, inwieweit der Liga als Gruppe ein materieller Schaden entstanden ist“, sagte der Aufsichtsrats-Vorsitzende Werner Hackmann dem Tagesspiegel.

Dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Gerhard Mayer-Vorfelder, war die Vereinbarung ebenfalls neu. „Von einem solchen Vertrag habe ich weder vor, während noch nach den Verhandlungen gehört, geschweige etwas gewusst.“ Heute wird in Frankfurt der DFB-Vorstand tagen. „Dann wird über diesen Fall zu reden sein“, sagte Hackmann, der zugleich DFB-Vizepräsident ist. Der FC Bayern wurde aufgefordert, den Vertrag offenzulegen. Der Klub signalisierte, zur Aufklärung beitragen zu wollen. Auch Fedor Radmann, Vizepräsident im Organisations-Komitee für die WM 2006 in Deutschland, hatte seit 2000 einen Beratervertrag mit der Kirch-Gruppe, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Radmann bestätigte diesen „angemessen dotierten“ Kontrakt: „Es gab keine Interessenkollison. Sonst hätte ich Kirch den Vertrag zurückgegeben.“

Das „manager magazin“ hatte berichtet, die Kirch-Gruppe habe sich 1999 dazu verpflichtet, dem FC Bayern bis 2005 die Differenz zwischen den Erlösen aus der zentralen Vermarktung und denen einer individuellen Vermarktung der TV-Rechte zu ersetzen. Kirch soll dem FC Bayern für mehrere Jahre bis zu 190 Millionen Mark als Ausgleich zugesichert haben. Tatsächlich habe Kirch bis zur Insolvenz für die Spielzeiten 2000/01 und 2001/02 insgesamt rund 40 Millionen Mark an die Bayern überwiesen.

Unterdessen erstattete der Berliner Rechtsanwalt Bert Handschumacher Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der FC Bayern AG und der KirchMedia bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts München. Bei dem Geheimvertrag gebe es „den Verdacht der verdeckten Schmiergeldzahlung“, sagte Handschumacher dem Tagesspiegel. Von der Staatsanwaltschaft müsse geprüft werden, ob der FC Bayern nur aufgrund der zusätzlichen Zahlungen von Kirch der zentralen Fernsehvermarktung zugestimmt habe. „Ich habe kein Vertrauen zu DFL und DFB, dass die den Sachverhalt aufklären können. Zumal die Bayern in diesen Gremien eine mächtige Stimme haben“, sagte der Anwalt. Er habe kein Mandat anderer Klubs, sondern handele „im Interesse der Fußballfans“. Die Aberkennung von Bayerns letzten Meistertiteln forderte gar Frank Mackerodt, Aufsichtsratsmitglied des Hamburger SV. „Schließlich haben sie sich mit dem Geld auf dem Transfermarkt bedient.“ Bayerns Manager Uli Hoeneß wehrte sich gegen die Vorwürfe: „Der FC Bayern ist nicht käuflich.“ Dieser Vertrag habe nichts mit der Liga zu tun. Hoeneß empfindet die Kritik als „Neid auf den FC Bayern“.

Über den Inhalt des Vertrages sagte der ehemalige Vizechef der KirchMedia, Dieter Hahn, im „kicker“: „Wir wollten mit dem FC Bayern das machen, was die Ufa mit Dortmund und dem HSV hatte. Wir wollten einen Vertrag für Einzelspiele und für den Fall, dass der FC Bayern im Uefa-Cup vertreten wäre. Zudem wollten wir Vorsorge treffen für den Fall, dass die zentrale Vermarktung fallen würde.“ Es habe bereits Pläne für einen eigenen Bayern-Sender gegeben.

Der Vertrag zwischen Bayern und Kirch gilt jedoch als nicht vergleichbar mit Vereinbarungen, wie sie etwa zwischen Ufa- Sports-Nachfolger Sportfive und mehreren Bundesligisten bestehen. Die Hamburger Firma ist für diverse Vermarktungsleistungen der Klubs, etwa Banden- oder Trikotwerbung, zuständig. Der FC Bayern dagegen, so hatten die Verantwortlichen stets behauptet, vermarktet sich weitgehend selbst.

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