Sport : In Schumachers Spur Der Formel 1 droht eine Ära der Vettel-Dominanz

Karin Sturm[Melbourne]
Spazierfahrt zum Titel? Nach Vettels überlegenem Sieg in Melbourne könnte die Saison sehr einseitig werden. Foto: dpa
Spazierfahrt zum Titel? Nach Vettels überlegenem Sieg in Melbourne könnte die Saison sehr einseitig werden. Foto: dpaFoto: dpa

Wer am Sonntag in Melbourne durch das Fahrerlager ging, den konnte das Gefühl beschleichen, den Beginn einer neuen Zeit mitzuerleben. Den Anfang einer neuen Ära in der Formel-1-Geschichte, die sich schon in der Endphase der letztjährigen WM abgezeichnet hatte. Sebastian Vettel und Red Bull, das könnte die Kombination sein, die in Zukunft den Grand- Prix-Sport dominiert. Da ist ein Fahrer, der vom Riesentalent endgültig zum Spitzenfahrer gereift ist. Und er hat ein Auto, das der Konkurrenz immer mindestens einen Schritt voraus ist – der entscheidende Faktor in der Formel 1, in der das Material fast noch wichtiger ist als der Pilot.

Auch Niki Lauda hatte dieses Gefühl gespürt. „Sebastian ist ein noch besserer Rennfahrer geworden, er hat mehr Selbstvertrauen als letztes Jahr und mehr Lockerheit“, sagte der dreimalige Weltmeister. „Ich sehe keinen, der ihm den Titel nehmen könnte.“ Und während Vettel selbst Wert darauf legt, mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben und noch nicht vom nächsten Sieg in Malaysia oder weiteren Triumphen sprechen will, sieht Lauda keinen Grund, warum es nicht so weitergehen sollte: „Mal schauen, aber ich befürchte, dass es für uns langweilig werden könnte. Ich wüsste nämlich nicht, warum das in Malaysia anders sein sollte.“

Vettel und seine „Kinky Kylie“ (das Auto, „in das ich im Moment regelrecht verliebt bin“, wie er sagt) waren im Albert Park noch lange nicht an der Grenze ihrer Möglichkeiten – ein Albtraum für die Konkurrenz. Zumal Red Bulls Motorsportdirektor Helmut Marko gleich nach Vettels Spazierfahrt verkündete: „Sebastian ist vor allem in der zweiten Rennhälfte überhaupt nicht mehr voll gefahren und hat das Auto geschont.“

Und es droht ein noch größerer Abstand. Auf die Zusatz-PS durch das Energierückgewinnungssystem Kers verzichtete Red Bull in Melbourne noch, um einen möglichen Risikofaktor für einen Defekt auszuschließen. Doch das soll nicht so bleiben. „Wir werden in Malaysia mit Kers fahren“, verriet Teamchef Christian Horner. „In Malaysia gibt es eine lange Anfahrt auf die erste Kurve, daher sind wir bestrebt, es dort im Auto zu haben.“ Auch deswegen ist der frühere Rennfahrer Christian Danner nicht alleine mit seiner Meinung: „Ich glaube nicht, dass der Rest der Welt in diesem Jahr noch an Red Bull herankommt.“

Aber was ist nun das Erfolgsgeheimnis der Liaison Vettel und Red Bull, die sich anschickt, die nächste Ära in der Formel 1 zu prägen – so wie einst Michael Schumacher und Ferrari oder Ayrton Senna und McLaren? „Die Kombination schnellster Pilot und schnellstes Auto ist sehr angenehm“, sagte Marko lächelnd. Für den Wagen zeichnet das Designgenie Adrian Newey mit seinen immer neuen Ideen im aerodynamischen Grenzbereich verantwortlich. Der Erfolg basiere allerdings nicht nur auf einer Person. Marko sagt: „Wir sind eine einzigartige Truppe mit Könnern an der Spitze. Gleichzeitig sind wir in der Lage, die Ideen von Newey umzusetzen.“

Ein weiteres Indiz für den nächsten Dominatoren einer Epoche hat Vettel selbst geliefert. Gegenüber seinem Teamkollegen Mark Webber hat er sich intern eindeutig durchgesetzt. Das Team steht geschlossen hinter ihm, nicht erst seit seiner Vertragsverlängerung bis 2014. In den letzten acht Großen Preisen war Webber immer langsamer als Vettel, die schwache Vorstellung des Australiers bei seinem Heimrennen war da nur das Tüpfelchen auf dem i. Symbolisch war das Bild am Sonntagabend: Während selbst die australischen Fans den deutschen Sieger begeistert feierten, schlich Webber einsam und unbeachtet zurück durch die Boxengasse.

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