Sport : „In seinem Alter hat er gute Chancen“

Fachärztin Isabella Heuser über Sebastian Deislers Heilungsaussichten

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Sebastian Deisler zeigt Symptome eines Rückfalls in die Depression und fällt erneut aus. Ist diese Krankheit ein lebenslanger Begleiter?

Sie ist eine chronische Krankheit, aber man kann die Symptome sehr gut beherrschen. Dafür muss man bestimmte Verhaltensregeln gewissenhaft befolgen, zum Beispiel ein regelmäßiges Leben führen.

Sollte man Stress vermeiden?

Unbedingt! In der Verhaltenstherapie hat Deisler das sicher schon beigebracht bekommen. Man lernt dabei auch, auf Frühwarnsysteme zu achten. Aber natürlich ist es auch wichtig, die Medikamente regelmäßig einzunehmen. Der häufigste Grund für einen Rückfall ist, dass die Betroffenen zu früh damit aufhören.

Warum kann das passieren?

Männer hören zum Beispiel zu früh damit auf, weil sie als Nebenwirkung sexuelle Funktionsstörungen haben. Aber das kann man mit dem Arzt besprechen und das Präparat wechseln. Andere bekommen Probleme mit dem Gewicht. Da ist ein Fußballer sicher weniger gefährdet.

Erhöht es das Rückfallrisiko, wenn man in der Öffentlichkeit steht wie ein Fußball-Profi?

Ganz sicher ist ein Spitzensportler wie Deisler einer höheren Belastung ausgesetzt. Möglicherweise ist er in diesem Punkt als Typ auch verletzlicher als andere. Das ist aber sicher in seiner Therapie angesprochen worden. Gerade in seinem Alter hat er gute Chancen, wieder zur vollen Leistungsfähigkeit zu finden.

Auch jetzt, nachdem die Symptome erneut aufgetreten sind?

Natürlich, er hat ja nach der ersten Behandlung wieder sehr gut gespielt. Ich möchte fast wetten, dass sein Rückfall daher kommt, dass er die Therapie nicht streng durchgezogen hat. Aber das passiert ihm nur einmal.

In den Augen vieler Laien ist es ein Makel, eine psychische Krankheit zu haben.

Männer haben oft extreme psychische Probleme damit, zu akzeptieren, dass sie an einer Depression leiden. Ich war deshalb froh, dass Sebastian Deisler sich geoutet hat. Das hilft sicher auch anderen Männern. Die Krankheit könnte damit ein wenig von ihrem Makel in der Öffentlichkeit verlieren.

Das Gespräch führte Adelheid Müller-Lissner.

Isabella Heuser

ist Psychiaterin und leitet die Klinik für Psychiatrie der Charité in Berlin auf dem Campus Benjamin Franklin. Die Professorin gilt als Expertin für Depressionen.

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