Sport : In seiner eigenen Welt

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Es ist leicht, über Joseph Blatter den Kopf zu schütteln. Er macht es einem aber auch leicht. Der 75 Jahre alte Präsident des Weltfußballverbands Fifa ist ein Spezialist dafür, regelmäßig öffentlich in Fettnäpfen zu treten. Nachdem er sich monatelangen Angriffen wegen der Korruption innerhalb seines Verbandes erwehren musste, erklärte der Fifa-Präsident nun, es gebe keinen Rassismus auf Fußballplätzen. Ein Handschlag nach dem Spiel, dann sei alles vergessen.

Nach der erstem Empörung ließ Blatter ein Foto verbreiten, auf dem er dem dunkelhäutigen Politiker Tokyo Sexwale aus Südafrika die Hand schüttelt. In der dazugehörigen Pressemitteilung präsentierte sich Blatter als Vorreiter im Kampf gegen den Rassismus und verwies auf Anti-Rassismus-Aktionen der Fifa, die ihm offenbar entfallen waren.

Dennoch bleibt das alles irgendwie weltfremd. Und das ist es auch: Blatter lebt in seiner eigenen Welt, einer Welt der Funktionäre und Kabinette, die mit der Realität auf und neben den Fußballplätzen dieser Erde nichts zu tun hat. Er leidet an der typischen Verbandspräsidentenkrankheit und hat sein Tun längst darauf fokussiert, seine Macht innerhalb des Hauses zu sichern. Seine Legitimation zieht er allein aus der Bestätigung eines kleinen Funktionärszirkels. Die Probleme und Kritik der Außenwelt perlen an ihm ab.

Auch diese Affäre wird, so traurig das sein mag, an Blatter abtropfen. Denn zumindest in Fifa-Kreisen versteht es Blatter meisterhaft, Tritte in Fettnäpfchen zu vermeiden. In seiner Welt schüttelt Blatter meist den richtigen Männern die Hände – egal ob dunkelhäutig oder nicht.

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