Sport : In Sorge um Europa

Alba kämpft um die letzte Chance im Uleb-Cup

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Eine Prognose? Marco Baldi winkt ab. „Die kann ich momentan schwer abgeben“, sagt der Vizepräsident von Alba Berlin im Hinblick auf das heutige Uleb-Cup-Spiel gegen Paok Saloniki in der Max-Schmeling-Halle (19.30 Uhr, live auf TV Berlin). „Dazu fehlt unserer Mannschaft derzeit die Konstanz.“ Auch Mithat Demirel äußert sich vorsichtig. „Das wird sehr schwer“, sagt der Mannschaftskapitän.

Zuversicht hört sich anders an. Dabei ist das Spiel gegen Saloniki das bislang wichtigste der Saison. Mit einem Sieg würden sich die Berliner Basketballer die Chance auf das Erreichen des Achtelfinales wahren, bei einer Niederlage wäre das vor der Saison ausgegebene Ziel höchstwahrscheinlich schon verpasst. Angesichts der jüngeren Vergangenheit sind die zurückhaltenden Prognosen jedoch verständlich. Seit dem Hinspiel vor sechs Wochen, das die Berliner nach Verlängerung 94:88 gewinnen konnten, hat Alba nur drei der letzten neun Spiele gewonnen. Paok Saloniki ist seit sieben Spielen ungeschlagen. In der griechischen Liga und im Uleb-Cup, dessen Tabelle sie anführen.

Zu der schwierigen Gesamtsituation bei Alba kommen noch Personalsorgen. Matej Mamic leidet unter Fieber, der Einsatz des Leistungsträgers ist fraglich. Und auch der wohl wichtigste Spieler bei Alba ist nicht hundertprozentig fit: Jovo Stanojevic quält eine Wadenverletzung, die er sich vor dem Spiel am Samstag in Trier zugezogen hat. „Es tut noch weh, aber ich spiele auf jeden Fall“, sagt der 27-Jährige. In Trier war er trotz der Verletzung mit 17 Punkten wieder einmal bester Werfer seines Teams. Den entscheidenden Faktor, der über Sieg oder Niederlage entscheiden wird, sieht der Center gegen Saloniki allerdings nicht auf seiner eigenen Position: „Wenn unser Spielmacher es schafft, Damir Mulaomerovic zu stoppen, dann gewinnen wir“, sagt er. Insofern steht einem Sieg von Alba nicht mehr allzu viel im Wege. Mulaomerovic, einer der besten Spielmacher Europas, leidet nämlich an Windpocken. Er machte die Reise nach Berlin gar nicht erst mit.

Ein Plus für die Berliner hat Stanojevic aber auch woanders ausgemacht: „Der Sieg am Samstag in Trier hat uns unheimlich viel Selbstvertrauen gegeben. Gerade weil wir uns den in der Verlängerung geholt haben.“ Kapitän Demirel teilt diese Ansicht nicht ganz: „Das war ein Sieg gegen eine mittelmäßige Bundesligamannschaft. Als Wendepunkt würde ich das nicht sehen.“ Albas Selbstverständnis liegt ganz woanders. Zurück in die Europaliga wollen die Berliner, in der die Berliner in den vergangenen acht Jahren gespielt hatten. Durch den Gewinn der Deutschen Meisterschaft oder des Uleb- Cup qualifiziert man sich dafür. Aber wäre Alba tatsächlich konkurrenzfähig in Europas Spitzenliga? In der vergangenen Saison gewannen die Berliner nur drei von 14 Spielen in der Europaliga. Im Uleb-Cup, der zweithöchsten europäischen Liga, stehen nun vier Siegen vier Niederlagen gegenüber. Marco Baldi klingt ein wenig relativierend, indem er sagt: „Mit dem Erreichen des Achtelfinales würden wir zumindest dem eigenen Selbstverständnis gerecht werden, zum erweiterten Kreis der europäischen Spitze zu zählen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben