Sport : In Würde absteigen

Der 1. FC Union hat im Kampf um den Klassenerhalt kapituliert und plant für die Oberliga

Karsten Doneck

Berlin - Nicht allein die Sonne lockte Dirk Zingler ins Freie. Als sich der Präsident des 1.FC Union gestern vor dem Vormittagstraining auf einem Nebenplatz des Stadions Alte Försterei vor die Mannschaft stellte, ging es in erster Linie darum, die Arbeitsmoral der Spieler noch ein letztes Mal zu heben. Union ist schließlich Letzter der Regionalliga und mit 16 Punkten Rückstand zum rettenden 14. Tabellenplatz fast hoffnungslos abgeschlagen. Da kann mancher Spieler schon mal die Lust am Fußball verlieren. Zingler erschien im dunklen Anzug mit einer kleinen, rot-weißen Anstecknadel des Vereins am Revers und forderte die Spieler sehr eindringlich auf, „die Saison sauber und mit Anstand zu Ende zu bringen“. Schon Anfang der Woche, kurz nach der 0:2-Niederlage beim SC Paderborn, hatte der Präsident erklärt, dass „nun den Plänen für die Oberliga absolute Priorität einzuräumen ist“ – Kapitulation in reinster Form.

Union viertklassig – das war noch im Jahr 2001 unvorstellbar. Die Mannschaft war unter Trainer Georgi Wassilew aufgestiegen in die Zweite Liga, stand im DFB-Pokalfinale gegen Schalke 04 (0:2) und später zwei Runden lang im UefaCup. In Köpenick wuchs schon, ohne jeden Größenwahn, die Vorfreude auf die Bundesliga. Dirk Zingler betrachtet rückblickend diese Zeit als „historische Chance, etwas Dauerhaftes, Nachhaltiges zu installieren“. Diese Chance vergab der 1.FC Union kläglich.

Frank Lieberam, der aktuelle Trainer, der vierte in dieser Saison, erhielt nun den Auftrag, eine Mannschaft für die Oberliga zu formen, die dann in der nächsten Saison den sofortigen Wiederaufstieg schafft. Vom derzeitigen Kader werden nicht viele Spieler übrig bleiben, maximal ein halbes Dutzend will Lieberam halten. Letztlich wird der 1.FC Union wieder mit einem Neuaufbau beginnen. Und genau an dieser Aufgabe ist der vor dieser Saison als Trainer verpflichtete Frank Wormuth gescheitert. Es gab rechtzeitig Warnungen. Zum Beispiel aus dem Wirtschaftsrat. Der riet dazu, „mehr erfahrene Spieler“ zu holen. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Vorsitzender des Wirtschaftsrates war seinerzeit – Dirk Zingler.

Als Präsident hat Zingler nun primär die Aufgabe, den finanziellen Rahmen für die neue Oberliga-Saison abzustecken. „Wir werden wohl den höchsten Etat in der Oberliga haben“, kündigt er an. Von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro ist inoffiziell die Rede. An Sparmaßnahmen führt dennoch kein Weg vorbei. Es wird Einschnitte beim Stab der festangestellten Mitarbeiter geben. „Wir wollen unseren Standard halten, dabei aber kreativ sein“, sagt Zingler. Im Klartext bedeutet das: Durch Arbeitszeitmodelle sollen Kündigungen vermieden werden.

Zunächst geht es darum, die missratene Saison mit Würde zu beenden. „Jeder spielt darum, sein Gesicht zu wahren“, sagt Frank Lieberam. Wer nicht mitzieht, dem kündigt Zingler harte Zeiten an. „Das ist bei uns wie in der freien Wirtschaft. Wer seine Leistung bringt, erhält seinen Lohn, wer nicht, der bekommt keinen“, droht der Präsident. Alles nur Angstmache? Alle Spieler besitzen schließlich gültige Arbeitsverträge. Zingler appelliert aber auch ans Gewissen der Spieler: „Es darf keiner aufhören, leidenschaftlich Fußball zu spielen an der Alten Försterei. Das sind wir unseren Fans einfach schuldig.“ Ob er damit Gehör findet?

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