Sport : In zäher Kleinarbeit

SCC-Volleyballer siegen zum Auftakt in der Champions League

Karsten Doneck

Berlin. Zum Schluss ging es gar nicht mehr darum, wer nun die besseren Volleyballer hat. Die Frage, die sich die 2100 Zuschauer in der fast vollen Sömmeringhalle stellten, war nur noch die: Wer hat die besseren Nerven? Und vielleicht auch das berühmte Quäntchen Glück? Als der letzte Ball einer hochdramatischen Partie, geschlagen von Aleksandar Spirovski, im orangefarbenen Feld aufklatschte, führten nur noch die Spieler in den schwarz-blauen Trikots Freudentänze auf. Die trug der SC Charlottenburg. Und der hatte im ersten Gruppenspiel der Champions League daheim gegen Polens Meister AZS Czestochowa mit 3:2 (22:25, 25:23, 23:25, 25:22, 15:13) gewonnen.

Die engen Satzverhältnisse belegen: Beide Mannschaften waren nahezu gleichwertig. Am Anfang machte sich allerdings auch der gravierendste Nachteil des SCC bemerkbar: Er hatte bisher in seinen acht Bundesligaspielen in dieser Saison relativ wenig Widerstand zu brechen gehabt, die Umstellung auf die weitaus höhere Qualität in der Champions League nahm eine gewisse Zeit in Anspruch. Als der SCC früh die Stärke der Gäste erkannte, reagierten die Spieler erst einmal nervös. Es dauerte eine geraume Weile, bis sich bei den Charlottenburgern die Annahme halbwegs stabilisierte.

Immerhin geriet der SCC im zweiten Satz nicht völlig aus dem Konzept, als sich der Gegner nach einem 10:17-Rückstand allmählich bis auf 19:20 heranpirschte. Der Gastgeber holte sich den Satz mit 25:23. Und als der dritte Satz beim Stande von 8:1 für Czestochowa zu einem Fiasko für die Gastgeber zu werden schien, begann der SCC in zäher Kleinarbeit sich ergebnismäßig anzunähern. Bei 23:24 stand der Satz auf der Kippe, dann setzten sich die Polen, die lange Zeit ohnehin die klareren, kühleren, routinierteren Aktionen für sich verbuchten, durch.

Der SCC aber ging aus dieser Aufholjagd moralisch gestärkt hervor. „Dadurch haben wir Schwung gekriegt. Wir haben wieder an uns geglaubt“, sagte Jan Günther. Und Glaube versetzt manchmal Berge. „Uns war bekannt: Die Polen haben ihre Hochs und Tiefs im Spiel“, sagte Günther. „Wir wussten, die brechen irgendwann wieder weg.“ Was dann auch tatsächlich passierte – und vom SCC, in der Schlussphase sogar mit einer gewissen Champions-League-Routine, gnadenlos ausgenutzt wurde.

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