Sport : In zärtlicher Abneigung

Kiel und Flensburg sind auch in der neuen Handballsaison auf Konfrontationskurs

Frank Heike

Kiel/Flensburg. Die erste Attacke gegen Flensburg kam vergangenen Freitag, genau eine Woche vor Saisonbeginn der Handball-Bundesliga. Uwe Schwenkers Blick schweifte durch die mit 8000 Zuschauern gefüllte Ostseehalle. In diesem Augenblick wusste der Manager des THW Kiel, dass das Freundschaftsspiel gegen Redbergslids Göteborg das erwartete große Ereignis für die Kieler Fans ist. Schließlich spielten die Schweden mit den ehemaligen Kieler Publikumslieblingen Magnus Wislander und (leihweise) Staffan Olsson. „Das sind ja mehr Zuschauer, als in Flensburg in die Halle passen“, stichelte Schwenker. Stolz verkündete er auch den Verkauf von 9600 Dauerkarten. Der Seitenhieb in Richtung Flensburg war deutlich.

Den THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt verbindet eine zärtliche Abneigung. Und keiner schürt den Konkurrenzkampf zwischen den beiden Spitzenklubs aus Schleswig-Holstein besser als Schwenker. Dreimal wurde der THW Kiel Deutscher Meister vor der SG Flensburg-Handewitt; 2002 triumphierte Kiel gar mit einem Sieg in der Flensburger Campushalle.

Kürzlich hat Schwenker die SG Flensburg-Handewitt als Favoriten für die Meisterschaft benannt. Seine Mannschaft setzt er bewusst nicht unter Druck. Nach einem ganz schwachen Jahr hat sich Kiel zwar erheblich verstärkt und den Umbruch nach dem Weggang langjähriger Leistungsträger (Wislander 2002, Olsson 2003) in Angriff genommen, für Schwenker jedoch kein Indiz für eigene Titelambitionen: „Wir wollen ein Team zusammenbekommen, das über Jahre hinaus vorn mitspielt.“ Das und nicht weniger ist der Anspruch des Klubs, der in den vergangenen zehn Spielzeiten siebenmal den Titel holte. In der letzten Saison jedoch wurden viele Fehler gemacht, die in den Jahren zuvor stets vermieden worden waren – vor allem hektisch Spieler nachzukaufen, wenn es mal nicht so läuft.

Möglichst schnell wollen Schwenker und Trainer Zvonimir Serdarusic nun den Weggang Wislanders und Olssons kompensieren. So wurden der schwedische Kreisläufer Marcus Ahlm und Martin Boquist für den Rückraum sowie die deutschen Nationalspieler Christian Zeitz (rechter Rückraum) und Adrian Wagner (Linksaußen) verpflichtet. Mit den derzeit noch verletzten Stefan Lövgren und Demetrio Lozano sowie Torwart Henning Fritz spielen bereits drei der weltbesten Handballer für den THW Kiel.

Etwas weiter im Norden hat man keine Angst vor dem Konkurrenten aus Kiel. Schließlich konnte Flensburg den Rivalen vergangene Saison dreimal besiegen. Seit dem Dienstantritt von Manager Thorsten Storm vor einem Jahr ist die SG Flensburg-Handewitt viel selbstbewusster geworden und möchte heute im Dessauer Supercup gegen den TBV Lemgo den ersten Titel der Saison holen. Verstärkt haben sich die Flensburger mit Torwart Dan Beutler und Kreisläufer Jonny Jensen. Neben dem TBV Lemgo ist die SG Flensburg-Handewitt nach Meinung der Bundesligatrainer der große Meisterschaftsfavorit.

Neuer Trainer der Flensburger ist Kent-Harry Andersson. Der ehemalige Coach der HSG Nordhorn löst Erik-Veje Rasmussen ab, der mit Storm nicht mehr arbeiten wollte und in seine dänische Heimat zurückkehrte. Nach der Vizemeisterschaft im letzten Jahr soll Andersson seine neue Mannschaft zum Titel führen.

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