Sport : Ins Buch der Rekorde

Der 1. FC Nürnberg steigt wohl zum sechsten Mal ab – das hat noch kein Klub geschafft

Felix Meininghaus

Dortmund. Wer sich noch kein Bild darüber verschafft hatte, warum der 1. FC Nürnberg diese Saison auf einem Abstiegsplatz beenden wird, der konnte im Dortmunder Westfalenstadion wunderbaren Anschauungsunterricht nehmen: Anstatt die letzte Gelegenheit, vielleicht doch noch alles zum Guten zu wenden, beherzt zu ergreifen, fügte sich der Club vor 67 600 Zuschauern willenlos in sein Schicksal, und am Ende hatte das Team von Trainer Wolfgang Wolf nach erbärmlicher Vorstellung mit 1:4 (0:1) verloren.

Zwei Spieltage vor dem Saisonkehraus liegt Nürnberg sechs Punkte hinter den Konkurrenten aus Hannover und Bielefeld, die am heutigen Sonntag die Gelegenheit haben, die Nürnberger mit Punktgewinnen endgültig in Liga zwei zu schicken.

Mit dem sechsten Abstieg hat Nürnberg einen unrühmlichen Bundesliga-Rekord aufgestellt. Ein Umstand, der den Club-Präsidenten Michael A. Roth „traurig“ stimmte. Am Boden zerstört war im Lager der Franken jedoch niemand. Viel zu lange steht bereits fest, dass diese Mannschaft weder die Klasse noch die Moral besitzt, um in der Bundesliga bestehen zu können.

Die Dortmunder nahmen die Gunst der Stunde dankend an, gegen ihre erschreckend harmlosen Widersacher im Schongang drei Punkte verbuchen zu können, und schossen sich in der zweiten Hälfte den Frust der vergangenen Wochen von der Seele. Das Erfolgserlebnis war ideal getimt, denn durch die Stuttgarter Heimniederlage gegen Bremen schob sich der BVB wieder auf den zweiten Platz vor, der ohne Umweg über die Qualifikation zur Teilnahme an der Champions League berechtigt.

Allerdings taten sich die Gastgeber in der ersten Halbzeit enorm schwer, 45 Minuten war das Westfalenstadion wieder einmal unterhaltungsfreie Zone. Erst die beiden Treffer durch Lars Ricken in der 28. und der 54. Minute, der damit seine Torausbeute in dieser Spielzeit verdoppelte, brachen den Bann. Ricken darf sich mit drei Treffern aus den letzten beiden Spielen als Gewinner bei den Dortmundern betrachten. Seine Leistungen nähren die Hoffnung, an längst vergangene glanzvolle Zeiten anknüpfen zu können. „Lars war früher unser Mann für die wichtigen Tore“, sagte Kapitän Stefan Reuter, „jetzt ist er es wieder.“ Ein Umstand, der vor allem daran liegt, „dass ich endlich schmerzfrei spielen kann“.

Während die Dortmunder nach dem 2:0 wie befreit aufspielten und durch Giuseppe Reina (65.) und Koller (68.) zu weiteren Toren kamen, ging Nürnberg völlig unter. „Das zweite Tor hat unsere Moral gebrochen“, sagte Trainer Wolf. Der Ehrentreffer durch Sasa Ciric in der Schlussminute war da auch kein Trost mehr.

Dagegen können die Dortmunder nun hoffen, eine enttäuschende Saison doch noch zu einem versöhnlichen Ende zu bringen: „Die Mannschaft hat sich befreit“, sagte Trainer Matthias Sammer, „und sie hat gezeigt, dass sie unbedingt Zweiter werden will.“

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