Insolvenz : Die Angst geht um

Die Lage ist prekär. 1860 München muss bis zum 14. Januar einen Nachweis über 5,3 Mio. Euro bringen. Kann der Verein es nicht, droht der Zwangsabstieg.

Carsten Eberts[München]
Entsetzter Löwe. Benjamin Lauth verzichtet auf zehn Prozent seines Gehaltes.
Entsetzter Löwe. Benjamin Lauth verzichtet auf zehn Prozent seines Gehaltes.Foto: dpa

Wie ein harter Sanierer sieht Robert Schäfer nicht aus. Er trägt zwar meist Anzug, doch er spricht sehr ruhig, lächelt viel zu milde. Niemand würde ihm auf den ersten Blick zutrauen, einen Fußballklub durch die Zweite Liga zu führen. Aber Schäfer hat sich sogar einen Klub ausgesucht, der die schwerste Finanzkrise seit Jahren durchmacht: den TSV 1860 München. Als dritter Geschäftsführer innerhalb eines Jahres versucht er derzeit, die drohende Insolvenz zu verhindern. Das Ultimatum läuft bereits.

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ muss der Tabellenachte bis zum 14. Januar einen Nachweis über 5,3 Millionen Euro erbringen, um die Liquidität für die restliche Saison zu gewährleisten. Schäfer hat diese Summe nicht dementiert. Gelingt das nicht, drohen noch härtere Maßnahmen als im Oktober, als die Deutsche Fußball-Liga (DFL) dem Klub für diese Saison bereits zwei Punkte abgezogen hat. Im Klartext: die Insolvenz und der Zwangsabstieg. Woher das Geld kurzfristig kommen soll, weiß keiner. Der Kader ist zu teuer, die Miete für die Nutzung der Allianz-Arena saugt den Verein aus. „Wir haben keine Zeit“, sagt Schäfer zerknirscht, „durch die Weihnachtsfeiertage und Neujahr noch weniger.“

Dabei zeigte sich Schäfer bereits erfinderisch. Als erste Amtshandlung hatte er die meisten Profis und Angestellten des Klubs dazu gebracht, auf zehn Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Eine ungewöhnliche Maßnahme, wohl beispiellos im deutschen Profifußball. Schäfer hatte diesen Coup offen als Erfolg für sich verbucht. Doch diese Maßnahme reicht nicht aus. 1860 München ist an einem Punkt angelangt, an dem Sparen allein nicht mehr hilft.

Viel wurde bereits versucht. Das Wintertrainingslager – abgesagt. Teammanager und Pressesprecher Robert Hettich, seit zehn Jahren in verschiedenen Positionen im Verein tätig – gekündigt. Die Presseabteilung wird nun von der früheren Praktikantin geleitet. Der Klub hat sogar die Mietpflanzen abbestellt, die die Geschäftsstelle zwar verschönern, aber auch 15 000 Euro im Jahr kosten. „Wir machen unsere Hausaufgaben, aber die reichen nicht aus“, klagt Vizepräsident Dieter Schneider. Im Traditionsklub geht die Angst um. Bereits im Winter müssen Spieler verkauft werden; weitere Kündigungen auf der Geschäftsstelle sind nicht ausgeschlossen.

Das große Geld muss von den Banken kommen – oder von einem Investor. Schäfer glaubt, dass die öffentliche Sorge um den Klub wenig hilfreich ist. „Die öffentliche Wahrnehmung hat eine Dynamik angenommen, die hochgefährlich für uns ist“, sagt er. Der Taumel sei „geeignet, um den Banken Angst zu machen“. Bleibt der Einstieg eines Investors, der bei 1860 aber besonders umstritten ist, weil der Investor Nicolai Schwarzer heißen könnte. Der Berliner Immobilienberater hat bereits Millionen in den Klub investiert, seine Seriosität wird jedoch in Fankreisen angezweifelt. Schwarzer hat seine Bereitschaft signalisiert, und das Geld, das er bereits investiert hat, will er nicht zurückziehen. Sonst „wäre das Kapitel 1860 beendet“, sagt Schwarz. Nicht unwichtig ist auch, was die DFL zu seinem neuen Engagement sagen würde. Beim letzten Mal, Anfang 2009, äußerte sie ernste Zweifel, weil Schwarzer offenbar umfassende Mitspracherechte eingefordert hatte.

Die Situation hat sich seitdem verschlimmert. Anfang 2009 ging es noch darum, Geld für Spielerkäufe zur Verfügung zu stellen. Heute würde Schwarzer den Verein wohl vor der Insolvenz zu retten.

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