• Integration am Flughafen Tempelhof: Hangar 1 ist jetzt Fitnesscenter für Flüchtlinge

Integration am Flughafen Tempelhof : Hangar 1 ist jetzt Fitnesscenter für Flüchtlinge

Am Flughafen Tempelhof soll ein Indoor-Sportbereich Flüchtlinge zum Sportmachen bewegen. Vereine geben Kurse, damit die Menschen Anschluss "nach draußen" bekommen.

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In Hangar 1 am Tempelhofer Flughafen trainiert jetzt auch der TTC Neukölln Kinder und Erwachsene.
In Hangar 1 am Tempelhofer Flughafen trainiert jetzt auch der TTC Neukölln Kinder und Erwachsene.Foto: Sven Darmer/Davids

Es war zum Verzweifeln für Andreas Schneider. Monatelang ging er immer wieder auf so viele der rund 2000 Flüchtlinge zu, die in der Notunterkunft im Flughafen Tempelhof leben, und versuchte sie zum Sportmachen zu animieren. Sie in Sportvereine „da draußen“ zu holen, wie er sagt. Aber es klappte einfach nicht. Denn „da draußen“, jenseits der Unterkunft, müssen die Menschen, die weder an deutsche Terminkalender noch an die deutsche Sprache gewöhnt sind, erst einmal hinkommen, pünktlich sein, mitmachen. Schwierig sei das. Aber Schneider hatte eine Idee: eine Indoor-Sportfläche direkt auf dem Tempelhofer Feld, in Hangar 1 auf 1200 Quadratmetern. Und die hat er zusammen mit ehrenamtlichen Helfern in 16 Tagen im Hau-Ruck-Verfahren umgesetzt.

Schneider ist Sportkoordinator der Tamaja Berlin GmbH, die die Notunterkunft betreibt. Dass die Bewohner dort Sport brauchen, ist für ihn klar. „Ich habe eine kostbare Oase für die Menschen geschaffen, um ihren Bewegungsdrang zu stillen“, erzählt er und deutet auf den Sportbereich in der riesigen Halle, der am Mittwoch eingeweiht wurde.

Dort, wo bis Anfang Juli noch Duschen standen, trennt jetzt ein pinkfarbener Teppich verschiedene Sportbereiche voneinander: Ein Tennisplatz steht direkt neben einem Badminton-Feld. Auf der anderen Seite des Raumes stehen Tischtennisplatten, ein Billard- und ein Kickertisch. „Und hier vorne kommt noch ein Fußballfeld hin“, sagt Schneider. Etwa 400 Fußballbegeisterte leben in der Unterkunft.

Gerade Frauen brauchen einen geschützten Raum

Für Schneider ist Sport der beste Weg, Integration zu leben. „Man braucht nur zwei Schläger und einen Ball. Sport sozialisiert, denn es gibt gewisse Regeln und Normen“, sagt er. So lerne man, sein Gegenüber zu achten.

Neben anderen ist auch der Tischtennisverein TTC Neukölln dabei. Wassim El-Jamal ist dort seit vier Jahren Trainer. In Tempelhof wird er immer sonntags Trainingseinheiten geben. „Beim Sport knüpfst du Freundschaften und vor allem: du lernst die Sprache“, sagt El-Jamal. Im Training werde nämlich grundsätzlich Deutsch gesprochen.

Der Sportbereich ist umrahmt von einer hohen Sichtschutzwand. Gerade für die Frauen brauchte man einen geschützten Raum, sagt Schneider. Kinderbetreuung gibt es nebenan. Täglich von 14 bis 16 Uhr gehört der Sportbereich komplett den Frauen und Trainerinnen bieten Tanz-, Zumba- und Yogakurse an. Zu anderen Zeiten können Männer im Fitnessbereich Gewichte stemmen. Der Landessportbund und der Berliner Leichtathletik Verband (BLV) haben die Geräte gespendet. Trainer vom BLV überwachen das Training. Zu wieder anderen Zeiten können sich Kinder austoben. Es müsse eine Regelmäßigkeit geben, deshalb sind es täglich dieselben Zeiten, in denen eine bestimmte Gruppe in den Bereich darf. Damit sich die Bewohner darauf einstellen können. Denn perspektivisch wünscht sich Schneider, dass die Menschen eben doch „da draußen“ in die Sportvereine gehen, und hinein in die Gesellschaft.

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