Sport : Integration, erleichtert

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Von Klaus Rocca

Berlin. Sie wollten ihn trösten, doch er war kaum zu trösten. Marcelo dos Santos, kurz Marcelinho genannt, traf sein Missgeschick hart. Da hatte er im Erzgebirgs-Stadion von Aue ein Topspiel geboten – und als es drauf ankam, versagt. Beim Elfmeterschießen stahl ihm Stefan Wessels, Oliver Kahns Ersatzmann im Bayern-Tor, die Schau. Dass kurioserweise auch die anderen Torschützen der vorangegangenen 90 Minuten, Giovane Elber und Michael Preetz, ihre Strafstöße verschossen, war für Marcelinho gleichfalls kein Trost. Erst als Schiedsrichter Peter Gagelmann aus Bremen endgültig abpfiff, konnte Marcelinho wieder lachen. Da hatte Hertha BSC nach dem 2:2 das Elfmeterschießen mit 4:3 gewonnen, den Rekordmeister FC Bayern, trat dieser auch nur mit einer verstärkten Reserve an, aus dem Ligapokal geworfen und das Halbfinalspiel am Dienstag in Jena gegen den Meister aus Dortmund erreicht.

Marcelinho hätte nach seinem verschossenen Elfmeter ohnehin nur mit Gesten Trost vermittelt werden können. Sein Landsmann Alex Alves, der nach 74 Minuten dem Neuen Bartosz Karwan Platz machen musste, stand zu jenem Zeitpunkt nicht mehr auf dem Rasen des schmucken Auer Stadions. Roberto Pinto, der Portugiese und damit dieselbe Sprache wie Marcelinho sprechend, war zu sehr mit sich selbst beschäftigt, schien er doch zu ahnen, dass er noch zu seinem großen Einsatz kommen würde. Als Pinto („Jetzt, da unter Huub Stevens die Karten neu gemischt werden, wittere ich meine Chance“) den alles entscheidenden Elfmeter zum 4:3 verwandelte, war Marcelinho einer der ersten Gratulanten. Und diesmal verstanden sich beide gut. Schon wegen der gemeinsamen Sprache.

Portugiesisch wird demnächst bei Hertha, die immer mehr zur Brasilien-Filiale wird, noch geläufiger werden, auch wenn Stevens großen Wert darauf legt, dass Alex Alves und Marcelinho möglichst schnell des Deutschen mächtig werden. Und nun kommt auch noch Luizao hinzu, der beim selben Klub (Gremio Porto Alegre) wie Marcelinho spielte und diesen in seiner Heimat doch nicht kannte.

Vielleicht sind es beim Berliner Fußball-Bundesligisten demnächst gar vier Brasilianer. Nené, von Marcelinho empfohlen, hofft noch immer auf einen Vertrag. Nach seiner Verletzung ist er am Mittwoch wieder ins Training eingestiegen. „Er hat einige positive Ansätze gezeigt, aber wir haben auch ein paar negative Dinge registriert“, sagte Manager Dieter Hoeneß über das bisherige Vorspielen des Abwehr-Spezialisten. Möglicherweise nimmt ihn Hertha noch mit zum Blitzturnier nach Genua, wo es am 3. August gegen Sampdoria und Inter Mailand geht.

Sollte Nené auch noch verpflichtet werden, müsste Hertha allerdings aufpassen. Zumindest im Pokal des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Da dürfen nämlich in einer Partie höchstens drei Spieler eingesetzt werden, die nicht aus dem europäischen Ausland kommen. In der Bundesliga, die unter der Hoheit der Deutschen Fußball Liga (DFL) läuft, dürfen dagegen maximal fünf Spieler aus dem außer-europäischen Ausland eingesetzt werden.

Ob mit oder ohne Nené – Marcelinho und Luizao hatten und haben es mit der Integration leichter als einst Alves, der daran fast gescheitert wäre. Und Luizao, der gestern bereits mit seinen künftigen Kameraden am Teufelsberg joggte, wusste schon vor seinem Ja-Wort für Hertha, was ihn hier erwartet. Von Lucio, Leverkusens Brasilianer. Der schwärmte ihm während der gemeinsamen WM-Tage von der „tollen Stadt“ Berlin vor. Auch wusste er ihm zu berichten, dass man hier bei Hertha pünktlich sein Gehalt überwiesen bekommt. Das ist Luizao nicht gewohnt. In seiner Heimat, wo die meisten Klubs in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten stecken, musste er zuletzt vier Monate auf sein Salär warten. Das wird ihm bei Hertha nicht passieren. Und Luizaos Integration wird auch erleichtern, dass am Donnerstag seine Frau mit Tochter nach Berlin kommt. Auch da hat er Alex Alves, den anfangs private Probleme zusätzlich belasteten, einiges voraus.

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