Sport : Integrität gegen Realität

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Benedikt Voigt über den neuen Weltverband im Eiskunstlaufen

Es hört sich ja alles gut an, was die Eiskunstläufer wollen, die in Washington den neuen Weltverband World Skating Federation (WSF) gründeten. „Für die Ehrlichkeit, für die Integrität, für die Zukunft“, lautet das Credo des neuen Verbandes, und wer wollte nicht für Ehrlichkeit, Integrität und Zukunft eintreten? Im alten Verband, der Internationalen EislaufUnion (ISU), kommen diese Punkte zu kurz, sagen die Abtrünnigen. Das stimmt, wie man spätestens seit dem Eiskunstlaufskandal von Salt Lake City weiß. Die Gründung des neuen Verbandes ist nur eine späte Reaktion auf diesen Betrugsversuch. Die WSF wird nicht nur von den Leidtragenden des damaligen Skandals unterstützt, dem kanadischen Paar Jamie Sale und David Pelletier, sondern auch von ehemaligen Eislaufstars wie Katarina Witt, Scott Hamilton und Kristi Yamaguchi. Sie kritisieren bei der ISU das neue, undurchsichtige Wertungssystem, die Dominanz der Eisschnellläufer und den schwindenden Einfluss der Athleten. Die WSF aber ist ein Verband von den Athleten für die Athleten.

Es hört sich ja alles gut an, nur wird sich der neue Verband nicht durchsetzen. Nun gilt es nämlich, sportpolitisch hinter den Kulissen zu wirken. Und das beherrscht die ISU immer noch am besten. Das Internationale Olympische Komitee, der US-amerikanische und deutsche Eiskunstlaufverband haben der WSF die Anerkennung bereits versagt. Die nächsten Monate entscheiden nun über die Zukunft des neuen Verbandes. Es wäre nicht das erste Mal, wenn Ehrlichkeit und Integrität an der Realität scheitern.

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