Inter Mailand : José Mourinho - der Verfolgte

Inter Mailands Trainer José Mourinho freut sich auf das Duell mit Chelsea in der Champions League.

Tom Mustroph[Mailand]
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Die Handschellen-Geste. José Mourinho ist eine Geldstrafe sicher. Foto: dpaepa ansa

Rote Karten, weiße Tücher und ein Trainer, der sich am liebsten der Polizei stellen würde. Inter Mailands jüngster Auftritt im Stadion San Siro hatte alle Ingredenzien für ein Spektakel. Am 25. Spieltag der Serie A konnte der Seriensieger der letzten Jahre trotz zweier Platzverweise noch ein torloses Unentschieden gegen Sampdoria Genua retten.

In der ersten Halbzeit wurden innerhalb von zehn Minuten die beiden Mailänder Verteidiger Walter Samuel und Ivan Cordoba von Schiedsrichter Tagliavento vom Platz gestellt. Das war der Moment, in dem Inters Trainer José Mourinho seine Handgelenke wie ein Schwerverbrecher kreuzte, der sich von den Cops abholen lässt.

Diese provozierende Geste dürfte Mourinho die dritte Geldstrafe binnen weniger Wochen kosten. Mourinho vermutet in steigernder Frequenz eine Verschwörung von Verband und Schiedsrichter, um die Meisterschaft offener zu gestalten. Was er mit der Geste ausdrücken wollte, blieb das Geheimnis des Portugiesen. Um Schlimmeres zu verhindern verordnete Inters Klubpräsident Massimo Moratti seinem Team ein Redeverbot. Italiens Medien zitierten Mourinho am Sonntag dennoch mit dem angeblich vor der Kabinentür aufgeschnappten Satz: „Nur zu sechst können sie uns schlagen!“

Die Fans der Nerazzurri befürchteten offenbar, dass Schiedsrichter Tagliavento mit exakt diesem Marschbefehl losgeschickt worden war. Als er zu Beginn der zweiten Halbzeit Inters Angreifer Eto’o wegen Simulation die Gelbe Karte zeigte, schwenkten sie als Kapitulationsgeste wie wild weiße Taschentücher. Tagliavento verschonte jedoch den Gastgeber. Nach einem mittelharten Foul schickte er in der Schlussphase vielmehr Sampdorias Pazzini zum vorgezogenen Duschen.

Nach drei Unentschieden in Folge schrumpft Inters Vorsprung zusammen. Obwohl die Mannschaft sich tapfer gegen die widrigen Umstände stemmte, so ist doch die Nervosität angesichts des schicksalhaften Duells am Mittwoch mit Mourinhos altem Arbeitgeber Chelsea in der Champions League mit Händen zu greifen. Der Portugiese heizte noch einmal kräftig die Stimmung an. „Man sollte nicht vergessen, dass ich es war, der Chelsea groß gemacht hat. Nach meinem Weggang hat Roman Abramovitch einige Fehler gemacht“, tönte er. Immerhin gestand er dem jetzigen Coach Carlo Ancelotti, der bis letzte Saison noch den AC Mailand trainiert hatte, zu, der geeignete Mann zu sein, Chelsea zum Triumph in England zu führen.

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