Sport : Inter wird indonesisch

Investoren übernehmen Mailänder Traditionsverein.

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Arrivederci, Inter! Massimo Moratti, der letzte Patron des italienisches Fußball, verabschiedet sich aus San Siro. Foto: dpa
Arrivederci, Inter! Massimo Moratti, der letzte Patron des italienisches Fußball, verabschiedet sich aus San Siro. Foto: dpa

Mailand - Der FC Internazionale zu Mailand macht seinem Namen alle Ehre – und geht in indonesischen Besitz über. Massimo Moratti, Präsident und Haupteigner von Inter Mailand, unterzeichnete der „Gazzetta dello Sport“ zufolge in der Nacht zu Dienstag den Vertrag, mit dem 70 Prozent der Anteile des italienischen Fußball-Erstligisten an eine indonesische Investorengruppe unter Führung des Medientycoons Erick Thohir übergehen. „Ich übergebe den Verein in gute Hände“, kommentierte Moratti den Verkauf.

250 Millionen Euro soll der Deal kosten. Allein 200 Millionen Euro gehen in die Schuldentilgung, vermeldet der Klub. Danach ist Inter schuldenfrei – was eine echte Novität ist. Noch vor vier Jahren drückte den Traditionsverein eine Schuldenlast von knapp einer halben Milliarde Euro. Nach dem Gewinn der Champions League im Jahre 2010 wurde mit Schuldenabbau und Gehaltsreduzierungen begonnen, was schließlich in einen sportlichen Absturz mündete. In der Saison 2012/13 sprang nur Platz neun mit 33 Punkten Rückstand auf Meister Juventus und 18 Punkten Abstand auf einen Champions-League-Platz heraus. „Am historischen Tiefpunkt steigen jetzt die asiatischen Investoren ein und begründen eine neue Ära“, schriebt die „Gazzetta dello Sport“. Sportlich befindet sich die Mannschaft im Aufwärtstrend. Der nach vier erfolgreichen Jahren beim SSC Neapel in die Lombardei gewechselte Trainer Walter Mazzarri hat der Mannschaft Konturen verliehen und jüngere Spieler wie den Argentinier Ricardo Alvarez und den Brasilianer Jonathan auf ein neues Niveau gebracht.

Der basketballverrückte Unternehmer Thohir – ihm gehören zwei Vereine in seiner Heimat, zudem ist er Präsident des indonesischen Basketballverbands – erwarb vor zwei Jahren bereits Anteile des NBA-Klubs Philadelphia 76ers. Im Jahr 2012 kaufte er als Teil einer Investorengruppe den Verein D.C. United aus der amerikanischen Profifußballliga. „Wir haben in den seltensten Fällen die komplette Eigentümerschaft. Wir sind Teamplayer“, sagt Thohir über seine Strategie.

Dem Beispiel des Rivalen Inter könnte bald auch der zunehmend von Misserfolgen des AC Mailand angefressene und mit privaten Problemen ausgelastete Silvio Berlusconi folgen. Gerüchte über Gespräche mit ausländischen Investoren häufen sich.Tom Mustroph

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