Internationaler Auftakt : Europa leuchtet - für Hertha?

Hertha BSC spielt heute gegen den dänischen Klub Bröndby IF um den Einzug in die Europa League. Für den Berliner Bundesligisten geht es dabei nicht zuletzt um die Erschließung neuer Geldquellen.

Stefan Hermanns
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So sieht Europapokal aus. Hertha hat im Uefa-Cup zuletzt 1,5 Millionen Euro verdient –- auch dank Gegner Galatasaray. Foto: ImagoFoto: Imago

Vor kurzem hat Lucien Favre bewiesen, dass er noch nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist. Der Trainer von Hertha BSC erwähnte das anstehende Europapokalspiel seiner Mannschaft gegen Bröndby Kopenhagen, und dann benutzte Favre das Wort, das es eigentlich nur noch in historischen Rückblicken geben dürfte: Uefa-Cup. So wie Raider jetzt Twix heißt, ist aus dem Uefa-Cup die Europa League geworden. Aber nicht nur der Name ist neu – der Modus ebenfalls. „Der Wettbewerb bekommt neuen Schwung“, sagt Uefa-Präsident Michel Platini.

Selbst wenn er das schon von Amts wegen sagen muss, so trifft Platini doch die allgemeine Erwartung. Auch Herthas Präsident Werner Gegenbauer sieht „eine deutliche Aufwertung“ des Wettbewerbs. Der Berliner Fußball-Bundesligist tritt heute zum ersten Mal in der neuen Europa League an: In Kopenhagen spielt Hertha gegen Bröndby IF um den Einzug in die Gruppenphase – und um die Erschließung neuer Geldquellen. „Der finanzielle Aspekt ist unstrittig“, sagt Gegenbauer. „Aber es geht für den Verein auch darum, sich in Europa sichtbar zu machen.“

Nach dem neuen Modus kämpfen 48 Mannschaften in zwölf Vierergruppen um den Einzug in die Runde der letzten 32. Anders als zuvor bestreitet jedes Team gegen jeden Gruppengegner ein Heim- und ein Auswärtsspiel. „Der Modus ist klarer“, sagt Gegenbauer. „Die Zufälligkeiten sind ausgeschaltet.“ Im vergangenen Jahr hat Hertha von dieser Zufälligkeit noch profitiert, weil die Mannschaft zufällig zu Hause gegen Galatasaray spielen durfte – und nicht zufällig gegen Charkow. Dadurch war das Olympiastadion wenigstens einmal ausverkauft.

„Es gibt eine höhere Planungssicherheit“, sagt Herthas Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller über den neuen Modus. Wie schwierig die Kalkulation bisher war, haben die Berliner in der Vergangenheit erfahren. Die letzte Saison im Uefa- Cup hat ihnen – trotz Ausscheiden in der Gruppenphase – ein Plus von 1,5 Millionen Euro eingebracht; bei der Teilnahme zuvor blieben dank unattraktiver Heimspiele gerade 17 000 Euro, obwohl Hertha sogar im Wettbewerb überwinterte.

Dank der zentralen Vermarktung könnte der Verein beim Einzug in die Gruppenphase diesmal wohl mit mindestens einer Million Euro planen. Von der Uefa erhält jeder Teilnehmer 900 000 Euro, pro Sieg kommen 120 000 hinzu und beim Einzug in die nächste Runde noch einmal 180 000. „Außerdem haben wir ein Heimspiel mehr“, sagt Schiller. Wie viel Geld Hertha zusätzlich aus dem Marketingpool (insgesamt 54 Millionen Euro) erhält, hängt nicht nur vom eigenen Abschneiden ab, sondern auch von dem der übrigen deutschen Mannschaften.

In Kopenhagen, beim Hinspiel gegen Bröndby, wird Jaroslav Drobny trotz seines Nasenbeinbruchs im Tor stehen. „Es ist kein Risiko, ihn spielen zu lassen“, sagt Favre, für den das Weiterkommen nicht nur aus sportlicher Sicht wichtig wäre, sondern auch aus finanzieller. Herthas Transferpolitik leidet unter den eingeschränkten Möglichkeiten des Klubs, das betrifft vor allem die Suche nach einem weiteren Angreifer. Dass die Berliner vor Ende der Transferperiode am 31. August Gojko Kacar, den bisher auffälligsten Spieler dieser Saison, verkaufen, ist trotzdem ausgeschlossen. Der VfB Stuttgart hat bei Manager Michael Preetz nachgefragt, ob Hertha bereit sei, über einen Transfer des Serben zu sprechen. „Nein, sind wir nicht“, antwortete Preetz. Damit war das Thema erledigt.

Auch ohne Kacars Verkauf haben die Berliner ihre finanziellen Möglichkeiten zuletzt etwas erweitert – nach der Devise: Kleinvieh macht auch Mist. Zur Leihgebühr für Amine Chermiti (900 000 Euro) sind jetzt noch einmal 250 000 Euro für Lucio hinzugekommen, der ein Jahr lang an Gremio Porto Alegre verliehen wird. Und auch für den US-Amerikaner Bryan Arguez wollen die Berliner Geld sehen. Der belgische Erstligist RSC Charleroi würde den Mittelfeldspieler gerne ausleihen, allerdings zu Konditionen, die für Hertha nicht akzeptabel sind – ohne Gebühr und mit weiterer Beteiligung der Berliner an Arguez’ Gehalt.

Die Teilnahme an der Europa League würde Hertha einen größeren Spielraum verschaffen, ein neuer Stürmer wird allerdings unabhängig davon kommen. Dass die Berliner die Play-offs abwarten, weil sie noch auf den Kauf von Andrej Woronin spekulieren, wird aus dem Verein dementiert. Spätestens Anfang kommender Woche, also noch vor dem Rückspiel gegen Bröndby, soll der Angreifer vorgestellt werden. Woronin wird es nicht sein.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Bröndby: Andersen – Rasmussen, van der Schaaf, von Schlebrügge, Wass – Gislason, Holmen, Kristiansen, Krohn- Dehli – Farnerud, Duncan.

Hertha BSC: Drobny – Stein, Friedrich, von Bergen, Pejcinovic – Ebert, Kacar, Cicero, Nicu – Raffael, Wichniarek.

Schiedsrichter:
Blom (Niederlande).

Anpfiff: 20.30 Uhr (keine Live-Übertragung, Zusammenfassung im ZDF nach dem Bremen-Spiel, Anpfiff 21 Uhr, geplant).

Mitarbeit: Frank Hellmann

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