Sport : Interne Lösung, öffentlicher Streit

Der 1. FC Union beruft ein neues Vorstandsmitglied – der alte Präsident Bertram bezeichnet seine Entmachtung als „Putsch“

André Görke

Berlin. Am Tag danach sah die Nachrichtenlage so aus: Ralf Büttner, der Marketingchef des 1. FC Union, ist zum neuen Präsidiumsmitglied ernannt worden – der Klub ist wieder handlungsfähig. So weit die Fakten.

Der Tag zuvor war weitaus unübersichtlicher. Da verkündeten die beiden Präsidiumsmitglieder Armin Friedrich und Bernd Hofmann den Rücktritt von ihren Ämtern. Die „Berliner Zeitung“ schreibt nun, dass ein Aufsichtsratsmitglied in der Geschäftsstelle ertappt worden sei, als dieses unerlaubt in Hofmanns Personalakte las. „Ich gehe, bevor mein Ruf leidet“, ließ Hofmann am Donnerstagnachmittag in einer Erklärung mitteilen. Unions Aufsichtsratschef Uwe Rade reagiert auf diesen Vorwurf überrascht. „Natürlich schauen wir in Personalakten. Wir gucken ja auch in Buchungsunterlagen“, sagte er dem Tagesspiegel. „Wir sind nun mal das Kontrollgremium des Vereins, das ist unser Recht.“ Dass ein Aufsichtsrat in die Unterlagen geschaut habe, „sei möglich“. Erstens lägen die Unterlagen im Büro, und zweitens „heißt so etwas noch lange nicht, dass wir uns von Herrn Hofmann trennen wollen“.

Genau das wirft Hofmann aber dem Aufsichtsrat vor, eine Vertrauensbasis sei nicht vorhanden. Offiziell ist er noch Geschäftsführer, am Wochenende soll ihm jedoch die fristlose Kündigung überreicht werden, heißt es intern. Rade möchte das nicht bestätigen. „Klar ist, dass es eine normale Vertrauensbasis nicht mehr geben kann.“

Die Vereinsführung sei durch den Rücktritt der beiden „überrascht“, sagt Präsident Jürgen Schlebrowski. Seit zwölf Tagen ist er im Amt, mit Büttner wird er jetzt bis zum 22. November den Verein führen. Dann findet die außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Wie intern zu hören ist, wird der Aufsichtsrat vorschlagen, das Präsidium auf fünf Mitglieder zu erweitern, um eine größere Meinungsvielfalt einfließen zu lassen. An diesem Tag wird sich auch Unions ehemaliger Präsident Heiner Bertram äußern. Will er auch die Macht zurück? „Ich führe keinen Wahlkampf, ich bewerbe mich nicht um das Präsidentenamt“, sagte Bertram. Die Fans müssten entscheiden, „was gut ist für den Verein“. Ob er den Unternehmer Michael Kölmel, den ehemaligen Mäzen von Union, als Partner gewinnen könne, ließ Bertram offen. „Ich habe mit ihm geredet, ja. Aber ich gebe keine Tendenz ab.“

Handelten Hofmann und Friedrich wirklich allein? Vor ihrer Erklärung saßen sie mit Bertram zusammen. Der wehrt sich aber gegen den Vorwurf, er habe niemandem zum Rücktritt geraten. „Blödsinn. Ich veranstalte keinen Putschversuch“, sagt Bertram. „Es wäre traurig, wenn sie keine eigene Meinung hätten.“ Vielmehr sei seine Entmachtung als „Putsch“ zu sehen.

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