Internet-Zensur : Menschenrechtler fordern Rogges Rücktritt

Die Debatte um die Internet-Zensur für Journalisten während der Olympischen Spiele wird schärfer. Die Gesellschaft für bedrohte Völker wirft IOC-Präsident Rogge vor, sich bei der chinesischen Führung anzubiedern - und will, dass er daraus Konsequenzen zieht.

Jacques Rogge Foto: dpa
Angeschlagen: IOC-Präsident Jacques Rogge. -Foto: dpa

GöttingenDie Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat den Rücktritt von Jacques Rogge gefordert. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sei im Zusammenhang mit der Internet-Zensur für Journalisten vor der Willkür der chinesischen Behörden "eingeknickt", kritisiert der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius.

Die Internetseite der GfbV gehört zu den gesperrten Seiten in China. "Rogge hat mit seinem katastrophalen Krisenmanagement und widersprüchlicher Informationspolitik der olympischen Idee und der Achtung der Menschenrechte in China schweren Schaden zugefügt", meinte Delius. Dies sei eine nicht hinnehmbare bedingungslose Anbiederung an Chinas Führung: "Die Grenzen der vom IOC beschworenen politischen Neutralität wurden missachtet."

Chinakritische Seiten bleiben gesperrt

Der IOC-Präsident hatte am Samstag auf einer Pressekonferenz in Peking sein Versprechen zurückgenommen, dass es für ausländische Korrespondenten während der Olympischen Spiele absolut freien Zugang zum Internet gäbe. Die Führung in Peking hatte nach internationaler Kritik den Internetzugang im Medienzentrum teilweise geöffnet. So können die Journalisten unter anderem wieder auf die Seite von Amnesty International zugreifen. Andere chinakritische Websites sind jedoch weiterhin gesperrt.

Delius forderte vom IOC bei der Vergabe von Olympischen Spielen Menschenrechtsstandards einzuführen. "Das IOC ist weltfremd, wenn es gemäß seinen Umweltstandards zwar einerseits regelmäßig die Luftqualität an den Austragungsorten überprüfen lässt. Es ihm andererseits jedoch offensichtlich gleichgültig ist, wenn es neben den Stadien zu Massenverhaftungen kommt." (sf/dpa)

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