Interview : "Bald können wir Gendoping nachweisen"

Der Forscher Mario Thevis über die Herstellung von Gendopingmitteln und den Nachweis der Substanzen.

ARD Talkshow Beckmann
Mario Thevis, 35, ist Professor für Präventive Dopingforschung an der Deutschen Sporthochschule in Köln.Foto: Breuelbild

Herr Thevis, Sie haben gerade als Erster ein Nachweisverfahren für ein Gendopingmittel entwickelt. Ist das der Durchbruch im Kampf gegen Gendoping?

Es ist ein Teilerfolg. Wir haben es geschafft, eine wichtige Substanz in die Dopingkontrollroutine aufzunehmen. Ein Problem ist also gelöst, aber es kommen noch viele weitere auf uns zu.

Sie können nun die Substanz GW 1516 im Körper nachweisen. Wie kann sie zur Leistungssteigerung im Sport beitragen?

Die Substanz aktiviert einen Genkomplex, der die Fettverwertung begünstigt. Eigentlich soll die Substanz gegen Fettleibigkeit helfen. Das konnte auch schon in klinischen Studien nachgewiesen werden. Ausdauersportlern könnte sie helfen, ihre Leistungsfähigkeit auch ohne Training zu erhalten beziehungsweise unter Trainingseinfluss noch weiter zu steigern. Aber diese Wirkung ist noch unklar, zwischen adipösen Menschen und Leistungssportlern besteht schließlich ein Unterschied.

Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Substanz schon im Sport zum Einsatz kommt?

Man kann nicht ausschließen, dass sie schon missbraucht wird. Sie ist relativ leicht herzustellen und könnte also in Schwarzmarktlaboratorien bereits produziert werden. Die Wada hat sie jedenfalls in die Verbotsliste aufgenommen.

Was können Sie mit Ihrem Verfahren noch leisten?

Bisher können wir GW1516 im Blut nachweisen. Der nächste Schritt ist der Transfer des Verfahrens auf Urin. Mit unserer Technik werden wir auch noch andere Gendopingmittel nachweisen können. Gendopingkontrollen sind also nicht erst bei den Olympischen Spielen 2012 in London möglich, sondern sehr wahrscheinlich schon viel früher.

Die Fragen stellte Friedhard Teuffel.

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