Interview : Dieter Hoeneß: "Hertha BSC ist einer von 17 Gegnern"

Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht Herthas Ex-Manager Dieter Hoeneß über sein Verhältnis zu seinem alten Verein, seine neuen Aufgaben beim VfL Wolfsburg und die vermeintliche Entmachtung von Trainer Armin Veh.

Medien: Dieter Hoeness wird neuer Manager des VfL Wolfsburg
Dieter Hoeneß, einst Berlin, jetzt Wolfsburg.Foto: ddp

Herr Hoeneß, sind Sie schon in Wolfsburg?



Nein, Sie erreichen mich gerade in Kitzbühel, wo wir mit der Familie Weihnachten feiern wollen. Gerade fahre ich mit dem Skilift einen Berg hoch. Gleich geht’s wieder runter.

Beschäftigen Sie sich noch nicht mit Ihrem neuen Job als Sportchef des VfL Wolfsburg?

Einige Mitarbeiter aus Wolfsburg kommen natürlich hier vorbei. Vielleicht sind die auch etwas unglücklich darüber, weil sie in diesen Tagen auch Urlaub machen wollen. Ich brauche aber so viele Informationen wie möglich, bevor ich am 15. Januar anfange. Und nicht alles lässt sich ja per E-Mail regeln.

Was wollen Sie denn wissen über den VfL Wolfsburg?

Alles.

Geht's genauer?

Im Moment muss ich gemeinsam mit unserem Trainer und Geschäftsführer Armin Veh prüfen, ob wir in der Winterpause noch einmal auf dem Transfermarkt tätig werden müssen und ob die Mannschaft noch Veränderungen benötigt. Natürlich muss ich dazu auch alle Verträge sehen. Ich will die Struktur des VfL kennenlernen - erst von außen, dann von innen.

Haben Sie mit Armin Veh schon mal über seine Entmachtung gesprochen, die aus Ihrer Berufung als Chef der Geschäftsführung folgt?

Das ist keine Entmachtung. Ich glaube, dass auch Armin Veh diese Entscheidung für richtig hält. Er hat erst im September gesagt, dass er sich noch jemanden an seiner Seite wünscht. Wir haben am Sonntag ein ausführliches persönliches Gespräch geführt. Und er hat mir nur gesagt, dass ihm der Zeitpunkt der Personalie nicht gefällt. Er hätte sich Verstärkung in der Spitze eher gewünscht, wenn der VfL Wolfsburg von Tabellenplatz zwei gegrüßt hätte.

Was wollen Sie denn in Wolfsburg erreichen?

Das, was alle erreichen wollen. Ich möchte, dass sich der VfL als feste Größe in der Bundesliga etabliert. Dafür müssen Strukturen geschaffen werden über den kurzfristigen Erfolg hinaus. Es geht hier um Nachhaltigkeit.

Sie wollen also in Wolfsburg schaffen, was Ihrem langjährigen Arbeitgeber Hertha BSC in Berlin versagt geblieben ist?

Bitte verstehen Sie, dass ich mich zur aktuellen Situation von Hertha nicht äußern möchte. Ich weiß nur: Als ich gegangen bin, war Hertha Tabellenvierter, und die Begeisterung in der Stadt kannte kaum Grenzen. Ich wäre ja auch noch gerne länger geblieben, aber lassen wir das.

Haben Sie schon einmal an das im März anstehende Duell zwischen Ihrem neuen und Ihrem alten Verein gedacht?

Nein, überhaupt nicht. Für mich gibt es gerade ganz andere Themen gerade, ab sofort denke ich nur noch an den VfL Wolfsburg. Realistisch gesehen ist es von nun an so: Hertha BSC ist einer von 17 Gegnern.

Herr Hoeneß, nach eigener Aussage waren Sie bislang selten in Wolfsburg. Wollen Sie dorthin ziehen oder von Berlin aus zu Ihrem Arbeitsplatz pendeln?

Ich werde in Wolfsburg oder der Umgebung wohnen. In der Tat war ich bisher nur bei den Spielen mit Hertha da, aber auch von der Stadt lasse ich mich überraschen. So, ich muss jetzt Schluss machen, weil ich oben auf dem Berg stehe. Die Abfahrt steht an, auf Wiederhören!

Das Gespräch führte Robert Ide.

0 Kommentare

Neuester Kommentar