Interview : "Es brennt richtig in den Lungen"

Wintersportler sind den Elementen ausgeliefert. In unserer neuen Serie erzählen sie davon. Heute: Eisschnellläuferin Jenny Wolf über die kalte Luft, ihren ständigen Begleiter.

Auf dem Eis durch das Eis. Die Berlinerin Jenny Wolf kämpft nicht nur mit der Konkurrenz, sondern oft auch mit Minusgraden.
Auf dem Eis durch das Eis. Die Berlinerin Jenny Wolf kämpft nicht nur mit der Konkurrenz, sondern oft auch mit Minusgraden.Foto: AFP

Nebel beim Abfahrtslauf, Wind beim Skispringen, Kaltluft beim Eisschnelllaufen – der Wintersport findet in der Natur statt und ist damit auch ihren Elementen ausgeliefert. In unserer neuen Serie spüren wir diesen Elementen des Winters nach und beschreiben, wie sie sich auf den Sport auswirken. Heute Teil eins: Weltklasseläuferin Jenny Wolf über Kaltluft beim Eisschnelllaufen.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich als Kind immer eislaufen war. Wir kurvten draußen über die Eisflächen bei frostigen Temperaturen – das war schön, aber hart. Als ich zu Hause ankam, musste ich mich erst aufwärmen. Später als Eisschnellläuferin habe ich viele Wettkämpfe im Freien bei Minusgraden absolviert und mich dabei irgendwie an die Kälte gewöhnt. Man kann sagen: Die Kälte ist mein ständiger Begleiter.

Die Hallen sind meist auf bis zu fünf Grad heruntergekühlt. Da spürt man die kalte Luft nicht nur, sondern sieht sie auch regelrecht vor sich. Den kältesten Wettkampf habe ich einmal in Erfurt erlebt. Da haben wirklich alle Athletinnen gezittert. Irgendwann hatten die Veranstalter ein Einsehen und haben die Langstrecken verkürzt.

Ich merke es immer gleich in meinen Lungen, wenn mir die Luft zu eisig ist. Dann schnappt man beim Atmen nach jedem Fitzelchen Luft, man inhaliert sie förmlich, und wenn sie in den warmen Lungen ankommt, brennt das richtig von innen. Ich bekomme dann auch Schmerzen im Brustbereich, das ist sehr unangenehm. Aber je länger das dauert, desto mehr gewöhnt man sich dran.

Wenn es zu kalt ist, muss man sich zumindest auf dem Weg zur Strecke warm anziehen. Der Puls kommt schnell mal durcheinander, und das ist für eine Sportlerin schon anstrengend. Einen Meter über dem Eis ist es ja viel kälter als bei den Zuschauern auf den Rängen. Und viel mehr als meinen Rennanzug habe ich beim Eischnelllaufen nicht an.

Die meisten Läufer erkälten sich nicht beim Laufen, sondern danach – wenn sie vom Sport aufgeheizt sind, noch schwitzen und sich nicht gleich abtrocknen. Mir passiert das nicht so oft, ich habe mich schon auf meinen ständigen Begleiter eingestellt.

Meistens komme ich gut mit Kälte klar, aber natürlich nicht immer. Wenn ich morgens in Berlin zum Training in unsere Halle komme, ist die nie aufgeheizt – aber das weiß ich schon vorher. Letztens bei einem Wettkampf in Inzell wurde ich allerdings überrascht: Die Füße sind mir richtig kalt geworden, vieles an meinem Körper fühlte sich an wie eingefroren. Ich wusste, dass ich mich stark bewegen müsste, wollte mich aber vor dem Rennen nicht verausgaben. In solchen Momenten sage ich mir immer zum Trost: Was soll’s, wir sind eine Wintersportart, damit musst du leben.

Inzwischen sind die Hallen, in denen wir laufen, besser geheizt als früher. Zuweilen haben wir sogar elf Grad, das ist schon richtig angenehm.

Aufgezeichnet von Frank Bachner.

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