Interview : Harry Koch: "Wir wussten um unsere Stärke"

Und noch ein Kaiserslauterer Erfolg gegen die Bayern: Im Interview erzählt Harry Koch vom 1:0-Sieg des Bundesliga-Aufsteigers in der Saison 1997/98.

Harry Koch.
Harry Koch.Foto: ddp

Herr Koch, wo erwischen wir Sie gerade?

Ich sitze gerade auf der Terrasse meines Hauses in der Nähe von Trier, ansonsten trainiere ich hier den Verbandsligisten SV Dörbach. Das mache ich jetzt fast vier Jahre. Und habe mittlerweile auch eine A-Lizenz als Trainer.

Sie haben mal gesagt, dass Sie sich eine Rückkehr in die Bundesliga vorstellen könnten, auch als Jugendtrainer in Kaiserslautern. Gilt diese Aussage jetzt nach dem Aufstieg des FCK erst recht?
Natürlich ist das immer noch reizvoll. Vor allem weil ich das Umfeld kenne, dort viele Freunde habe. Aber ich denke, Stefan Kuntz hat die meisten Posten mit seinen Weggefährten besetzt. Daher rechne ich mir keine großen Chancen aus.

Am 1. Spieltag der Saison 1997/98 gelang Ihnen mit dem 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger ein 1:0-Auswärtssieg beim FC Bayern. Für viele war dieses Ergebnis eine große Überraschung. Für Sie auch?
Nein. Denn wir wussten um unsere Stärke und auch, dass uns die Bayern unterschätzen würden. Obwohl wir nur ein Jahr weg waren, galten wir eben als Aufsteiger – und das war unsere große Chance. Wir sind deshalb mit dem Gefühl nach München gefahren, dass wir auch dort etwas holen können.

Rückblickend gilt dieses Spiel als Grundstein für die spätere Meisterschaft. Wann hat ihr Team gemerkt, dass es nicht mehr gegen den Klassenerhalt, sondern um die Meisterschaft geht?
Eigentlich ist unsere Mannschaft vom ersten Spieltag an einfach marschiert. Wir waren ein Uhrwerk, das schon in der Zweiten Liga angelaufen war. Wichtig aber war das Rückspiel gegen die Bayern. Spätestens nach dem dem zweiten Sieg war uns klar, dass wir das durchziehen können und dann haben wir uns selbst durch die Störversuche von Uli Hoeneß nicht mehr beirren lassen.

Wie besiegt man als Außenseiter den großen FC Bayern?
Wichtig ist, dass man keine Angst hat. Die meisten Mannschaften erstarren in München vor Ehrfurcht, lassen sich schon vor dem Spiel Autogramme geben. Da kannst du deine Sachen aber gleich wieder einpacken. Denn im Spiel geht es letztendlich immer Mann gegen Mann. Ich bin 1,84 Meter groß, konnte damals auch Fußball spielen. Da musste man mir erstmal beweisen, dass man besser war. Das war die Einstellung, mit der wir in die Spiele gegen Bayern gegangen sind.

Die Fragen stellte Lucas Vogelsang.

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