Sport : Interview: Hoffen auf Unions Krise

Herr Jaspert[Sie arbeiten als Kotrainer unter Pie]

Robert Jaspert (41) wurde im März als Trainer von Tennis Borussia entlassen. Seit Juli ist er Kotrainer des MSV Duisburg.

Herr Jaspert, Sie arbeiten als Kotrainer unter Pierre Littbarski beim MSV Duisburg. Wie lebt es sich jenseits vom Mommsenstadion?

Prima, es ist eine sehr wertvolle Erfahrung. Man denkt ja immer, Berlin sei der Nabel der Welt, hinter der Hauptstadt kämen nur Dörfer. Das ist nicht so, gerade im Ruhrgebiet. Hier spielen Dortmund, Schalke, Bochum

...und der MSV Duisburg ist der unattraktivste Klub von allen.

Das dachte ich auch immer in Berlin. Aber hier herrscht eine enorme Begeisterung. Am Tag der offenen Tür kamen 15 000 Menschen, das war ein Riesenansturm. Wir haben fast fünf Stunden Autogramme geschrieben. Sogar mich erkennen die Leute in Duisburg. Das ist mir in Berlin nie passiert.

Der Star bleibt aber schon der Cheftrainer.

Littbarski ist ein unglaublicher Sympathieträger. Die Arbeit mit ihm macht ungemein Spaß. Littbarski trifft keine Entscheidung, ohne dass er mich vorher fragt. Er lässt mich nie spüren, dass ich nur der Kotrainer bin.

Sie kennen sich bereits seit einigen Jahren.

Wir haben 1978 in der A-Jugend von Hertha Zehlendorf zusammengespielt. Littbarski wurde Profi, ich bin den bürgerlichen Weg gegangen und habe studiert. Vor zwei Jahren hat Littbarski dann aus Japan angerufen und ein Treffen der alten Mannschaft organisiert. Im Sommer bin ich dann bei Tennis Borussia entlassen worden, und auf einmal kam das Angebot von Littbarski.

Es läuft aber nicht gerade erfolgreich. Der MSV Duisburg ist die einzige deutsche Profimannschaft ohne Sieg.

Fußball besteht aus Wellentälern. Wir vergeben zu viele Chancen, es ist grausam. Wir werden aber nicht kritisiert. Duisburg war immer der Arbeiterverein, die Malochertruppe. Die Fans sehen jetzt, dass wir guten Fußball spielen können. Nur ein Sieg fehlt.

Am Freitagabend stehen die Chancen nicht schlecht. Um 19 Uhr treten Sie in der Alten Försterei gegen den 1. FC Union an. Die Köpenicker stecken nach drei verlorenen Spielen in der Krise.

Ich habe Union beim 1:4 in Bielefeld gesehen. Wir sind zuversichtlich. Außerdem haben wir eine Rechnung offen, da Unions Trainer Wassilew im DFB-Pokalspiel gegen uns nur mit der zweiten Garnitur gespielt hat. Da war Littbarski sauer. Union hat 1:0 gewonnen, aber nur durch einen Handelfmeter. Ich hoffe, die Krise bei Union hält weiter an.

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