Interview : "Ich würde mich freuen, wenn Ariane Friedrich eine bekäme"

Die Medaillen-Designerin Elisabeth Warkus über ihr erstes großes Projekt und den Unterschied zwischen Marathon und Sprint.

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Elisabeth Warkus, 26, hat die Medaillen für die WM entworfen. Gespannt schaute die Industrie- Design-Studentin der Universität der...

Frau Warkus, wie kam es, dass Sie als Studentin die WM-Medaillen entworfen haben?



Das Organisationskomitee kam 2006 zu uns an die Universität der Künste und hat nach einem Slogan gesucht. Dazu gab es dann ein Projekt, bei dem auch ein rohes Konzept für die Medaillen entstand, eigentlich nur eine Tonscheibe, auf der ich die ursprüngliche Idee dargestellt habe.

Und die wäre?

Die Dynamik der Sportarten, die Bewegungen, durch einfach Linien darzustellen. Jede Medaille sollte anders sein. Ich dachte damals selbst, das sei völlig utopisch. Aber als die Organisatoren dann den Medaillen-Wettbewerb ausgeschrieben haben, sind sie auf mich zugekommen und haben mich gefragt, ob ich nicht daran teilnehmen möchte.

Hat Sie das überrascht?


Und wie! Es lag über ein Jahr dazwischen und das Konzept war noch sehr roh. Ich war völlig überrascht, dass die sich überhaupt an mich und meine Tonbatzen erinnert haben. Es war total unwirklich, als ich tatsächlich gewonnen habe. Ich dachte immer, da kommt noch was: Zu teuer, falsch umgesetzt oder so. Ich war sehr skeptisch. Aber es kam nichts.

Eine Medaille ist normalerweise rund, warum sind Ihre rechteckig?

Das hat etwas mit dem Konzept mit den Linien zu tun. Ich dachte natürlich zunächst auch an eine runde Medaille, aber das ließ sich nicht so gut umsetzen. Von der Bewegung fehlte immer ein Stück. Es sah einfach komisch aus. In diesem Prozess ist dann das Rechteck entstanden.

Ist nun wirklich jede Medaille anders?

Natürlich gibt es ein paar doppelte. Es sind 47 Wettbewerbe, da gibt es dann immer eine für die Männer und eine für die Frauen, die meisten gibt es also zweimal. Aber beim Siebenkampf und beim Zehnkampf wollte ich auch zwei verschiedene haben. Und bei den Staffeln gibt es dann natürlich jeweils zwölf.

Wie unterscheiden Sie einen Marathon vom 100-Meter-Lauf?

Ich habe die Bewegungsabläufe jeder Sportart genau studiert. Bei den kürzeren Distanzen habe ich mich auf die Haltung beim Start konzentriert, je länger die Läufe werden, desto aufrechter sieht der Mensch auf den Medaillen aus.

Haben Sie das alles auch selbst produziert?


Ich wollte alles selbst unter Kontrolle haben, sonst wäre ich sicher nicht zufrieden gewesen. Ich habe die gesamte Produktion betreut. Sehen Sie die Biegung in der Medaille? Die habe ich am Ende auch noch selbst gemacht, das letzte Band drangenäht und sie alle einzeln in ihre Schachteln gelegt.

Wie lange hat das gedauert?

Die Produktion etwa sechs Monate, aber die Vorbereitung hat schon im Oktober des vergangenen Jahres begonnen.

Sie sind 26 und studieren noch. Da haben Ihnen die Organisatoren die gesamte Verantwortung für dieses Projekt übertragen?

Ich denke, die wussten einfach, dass ich das schaffen würde. Ich habe mir ein Urlaubssemester genommen, aber das letzte halbe Jahr war schon hart.

Werden die Medaillen ihr Uni-Diplom?

Ehrlich gesagt habe ich daran gar nicht gedacht. Dafür ist es nun zu spät. Aber ich freue mich auch darauf, wieder zur Uni zu gehen und noch ein Jahr zu studieren, bevor ich wieder mit Geld hantieren und Dinge organisieren muss.

Hat Sie das Medaillen-Projekt also eher abgeschreckt vom Unternehmertum?

Nein, das nicht. Ich habe sehr viel gelernt. Das war schon was anderes als in der Uniwerkstatt zu stehen und Prototypen zu bauen. Ich habe ja eigentlich alles allein gemacht, ohne Helfer. Und das Ganze war ja auch kostspielig. Mit so viel Geld zu hantieren, war ich auch nicht gewohnt.

Von wie viel Geld reden wir?

Ich mag es nicht, den Einzelwert der Medaille zu errechnen, das macht irgendwie ihren symbolischen Wert kaputt, finde ich. Aber alles in allem haben sie 50 000 Euro gekostet.

Haben Sie sich davor überhaupt für Leichtathletik interessiert?

Schon, ich habe mir im Fernsehen immer alles angesehen, Weltmeisterschaften und Olympische Spiele.

Wer soll denn unbedingt eine von Ihren schönen Medaillen bekommen?

Die Wurf- und Sprungdisziplinen sind meine Lieblingsmedaillen. Die vom Hochsprung, die ist wirklich sehr schön geworden. Wenn die Ariane Friedrich eine bekommen würde, dann fände ich das schön.

Das Gespräch führte Anke Myrrhe.

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