Interview : Innensenator Körting: "Die Fanmeile wäre ein toter Ort gewesen."

Innensenator Ehrhart Körting verteidigt im Interview mit dem Tagesspiegel die Entscheidung, das Spektakel am Brandenburger Tor erst ab dem Halbfinale zu erlauben - und er verrät, was den EM-Charme wirklich ausmacht.

Körting
Straßenlokal statt Fanmeile. Berlins Innensenator Ehrhart Körting hat das Spektakel in Mitte persönlich nur am Rande angeschaut.Foto: Mike Wolff

Herr Körting, haben Sie das EM-Finale auf der Fanmeile angeschaut?



Nein, ich war in einem Straßenlokal um die Ecke.

Waren Sie denn während der EM mal auf der Fanmeile?

Ich habe mir das am Rande angeschaut, als gerade kein Spiel lief. Da war ein deutlicher Unterschied zur Fußball-WM 2006 festzustellen. Die Fanmeile ist toll, wenn Deutschland spielt. Wenn andere Mannschaften spielen, steht die Fanmeile nicht im Verhältnis zu den Unannehmlichkeiten, die Verkehrsteilnehmer auf sich nehmen müssen.

Aber die Fanmeile war ein Erfolg. Sie war Stunden vor dem Spiel schon wegen Überfüllung geschlossen. Hätte man sie nicht noch in ihrem Ausmaß verlängern sollen?

Das ist eine Entscheidung der Veranstalter gewesen, keine der Behörden. Wegen Sicherheitsaspekten hätte es keine Einwände gegeben. Ob die Fanmeile 1,2 oder 1,8 Kilometer lang ist, ist egal.

Der Senat hat die Fanmeile erst ab dem Halbfinale erlaubt. Hat man den Erfolg unterschätzt?

Das Konzept ist aufgegangen. Eine dreieinhalb Wochen dauernde Fanmeile hätte nicht zu einer Belebung geführt. Außer bei den deutschen Spielen wäre die Fanmeile ein toter Ort gewesen. Anders als bei der Fußball-WM in Deutschland kamen jetzt nicht sehr viele ausländische Gäste wegen des Fußballs. Das ist ein entscheidender Unterschied für den Erfolg einer Fanmeile, ob eine Großveranstaltung in Deutschland stattfindet oder woanders und nur übertragen wird. Die Entscheidung war deshalb richtig, die Fanmeile erst ab dem Halbfinale zu öffnen. Der EM-Charme lag für mich in den vielen dezentralen Events in den Kiezen. Das ist doch ein tolles Gemeinschaftsgefühl, wenn über 100 000 Zuschauer in Straßenlokalen flächendeckend in Berlin Fußball schauen.

Können Sie sich die Fanmeile an einem anderen Ort in Berlin vorstellen?

Ja, natürlich ist das vorstellbar. Nur: Die Veranstalter wollen genau auf die Straße des 17. Juni, wo sie den Blick auf das Brandenburger Tor haben und akzeptieren keine anderen Plätze.

Kommen wir wieder auf Fußball und die  Fußball-WM 2010 in Südafrika zurück. Wird es dann wieder eine Fanmeile geben?

Das werden wir dann entscheiden, wenn sich die deutsche Mannschaft qualifiziert hat und ein Veranstalter mit einem guten Konzept auf uns zukommt. Eine Fanmeile ist keine staatliche Veranstaltung, in die Steuermittel investiert werden.

Das Gespräch führte Sabine Beikler.

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