Interview : Jan Rosenthal: „Wenn sonst keiner will, mach ich es“

Wie Feldspieler Jan Rosenthal einen Elfmeter hielt. Nachgefragt bei dem Fußballprofi von Hannover 96.

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Jan Rosenthal, 22, spielt für Hannover 96 eigentlich im Mittelfeld. Am Sonntag hielt er aushilfsweise einen Elfmeter. Foto: ddp

Herr Rosenthal, Sie wurden am Sonntag nach dem Platzverweis von Florian Fromlowitz im Spiel gegen Wolfsburg ins Tor gestellt und haben einen Elfmeter für Hannover 96 gehalten. Mit welchem Gefühl denken Sie daran?

Auch wenn wir am Ende unglücklich verloren haben: Für mich war das ein ganz besonderes Spiel. Ich muss heute noch schmunzeln, wenn ich daran denke. Diese Sache kann mir niemand mehr nehmen. Als Feldspieler einen Elfmeter zu halten, darauf werden mich die Leute sicher in fünf Jahren noch ansprechen.

Wie haben Sie das gemacht?

Jiri Stajner kam vor dem Elfmeter zu mir und hat gesagt, dass Dzeko rechts schießen wird. Der Rest war Glück.

Es waren noch neun andere Hannove raner auf dem Feld. Warum haben aus gerechnet Sie Fromlowitz ersetzt?

Ehrlich gesagt: Ich konnte nicht mehr. Ich war etwas müde und dachte, ich kann meiner Mannschaft auf dem Feld nicht mehr wirklich helfen. Es war mein erstes Spiel nach drei Monaten Verletzungspause.

Sie waren kaputt und haben sich deswegen freiwillig gemeldet?

Ja, auch deshalb. Aber ich bin nicht schlecht im Tor. Als ich klein war, habe ich immer mit einem Kumpel zusammen Fußball gespielt. Da wir nur zu zweit waren, mussten wir immer abwechselnd ins Tor. Deshalb habe ich gedacht: Wenn sonst keiner will, mach ich es eben.

Aber in der Jugend waren Sie immer nur Feldspieler?

Eigentlich schon, aber in der A-Jugend gab es bei einem Hallenturnier eine ähn liche Situation und ich bin ins Tor ge gangen. Der Ausgang war ähnlich wie am Sonntag: Die Gegner sind in den letzten zwei Minuten aufs Tor eingerannt und ich habe den Kasten sauber gehalten.

War der Elfmeter im Spiel gegen Wolfsburg gerechtfertigt?

Den Elfmeter kann man schon geben, auch wenn der Stürmer natürlich auf Kontakt aus ist. Das hat er schon clever gemacht. Aber die Rote Karte war übertrieben. Der Torwart kann in der Situation gar nicht mehr weg, und der Stürmer wäre nicht allein vorm Tor gewesen.

Gehört Hannover nun zu den Abstiegs kandidaten?

Wir haben vor der Winterpause noch ein wichtiges Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten Bielefeld. Wenn wir das gewinnen, stehen wir schon wieder besser da. Aber wir werden auf jeden Fall die Hinrunde mit weniger als 20 Punkten beenden. Das ist nie gut. Wir haben viel Pech mit Verletzungen gehabt, und es kamen noch unnötige Rote Karten hinzu. Es kann nächstes Jahr nur besser werden.

Apropos Pech, Robert Enke ist noch verletzt, Fromlowitz gesperrt, da ist die große Frage: Wer wird beim Heimspiel am Samstag gegen Bielefeld im Tor stehen?

So groß ist die Frage gar nicht. Wir haben ja noch einen dritten Torwart: Morten Jensen. Der hat auch schon mal ein Bundesliga-Spiel absolviert, am letzten Spieltag 2006 gegen Leverkusen. Da hat er auch ganz gut gehalten.

Ein Comeback nach Ihrer Glanztat wird es also nicht geben?

Nein, ich bin doch froh, wenn ich wieder auf dem Feld stehen darf.

Das Gespräch führte Anke Myrrhe.

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