Interview : Jürgen Röber: "Das kann keiner erklären"

Herthas Ex-Trainer Jürgen Röber spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über seinen Zwangsabstieg in der Türkei mit Ankaraspor.

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Foto: Mike Wolff

Herr Röber, Ihr Verein Ankaraspor wurde vom türkischen Fußballverband zum Zwangsabstieg in die Zweite Liga verurteilt. Hören Sie jetzt als Trainer auf und kehren nach Deutschland zurück?



In meinem Alter könnte ich ja einfach Tschüss sagen und nach Hause fahren. Mich stimmt das hier alles traurig, vor allem für meine Spieler. Sie sollen sich jetzt innerhalb von 15 Tagen einen neuen Verein suchen – und das bei begrenzten Ausländerplätzen. Wie soll das gehen?

Was hat Ihr Verein denn falsch gemacht?

Für mich ist das ganze Verfahren fadenscheinig. Unser Präsident ist auch Bürgermeister der Stadt Ankara, vielleicht gibt es da irgendein Politikum. Das Ganze wirklich erklären kann keiner.

Das Verbandsgericht fürchtete aber eine heimliche Fusion Ihres Klubs mit Ankaragücü, auch wegen auffälliger Spielertransfers.

Die fünf Spieler, die von unserem Verein rübergewechselt sind, konnte ich nicht mehr gebrauchen. Deswegen haben wir sie an Ankaragücü abgegeben.

Wie geht es jetzt für Ihren Verein weiter?

Es wird überlegt, ob die Mannschaft vielleicht im türkischen Pokal weiterspielt. Das halte ich aber für Quatsch.

Es wären ja sowohl Ankaraspor als auch Ankaragücü in eine mögliche Fusion verwickelt. Wieso betrifft die Strafe nur Ihre Mannschaft?

Gute Frage, stimmt eigentlich. Das ist mir auch unverständlich. Das mag vielleicht daran liegen, dass Ankaragücü ein Traditionsverein ist, zu dem pro Spiel bis zu 30 000 Zuschauer gehen. Zu uns kommen ja immer nur 5000.

Sie haben gesagt, dass es so etwas nur in der Türkei gebe. Was meinen Sie damit?

Ich will nicht falsch verstanden werden, ich mag die türkische Bevölkerung sehr gerne. Das sind hier alles nette, freundliche Menschen. Allerdings wird immer viel geredet und selten ernsthaft darüber nachgedacht, was zu tun ist. Transfers werden abgeschlossen wie auf einem Basar – erst geht alles und dann doch nichts. Alles ist relativ unklar.

Und was machen Sie jetzt?

Keine Ahnung. Vielleicht nehme ich ein Jahr Urlaub – ich weiß noch nicht.

Die Fragen stellte Theo Glauch.

Jürgen Röber, 55, ist seit Juli diesen Jahres Trainer bei Ankaraspor. Mit Hertha BSC gelang ihm 1997 der Aufstieg in die Bundesliga sowie die Teilnahme an der Champions League.

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