Interview : Jupp Heynckes: „Hertha wird uns attackieren“

Leverkusens Trainer Jupp Heynckes über das Spiel seiner Mannschaft am Freitag gegen Hertha BSC.

Interview: Mathias Klappenbach
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Foto: dpadpa

Herr Heynckes, Leverkusen kommt als Tabellenführer zum Tabellenletzten nach Berlin. Worin sehen Sie die größte Gefahr für Bayer?

Hätten Sie am Mittwoch erwartet, dass Stuttgart in der Champions League nach elf Minuten mit 3:0 führt nach allem, was dort zuletzt passiert ist? Ich habe die letzten beiden Spiele Herthas gesehen, besonders auf Schalke hat die Hertha sehr geordnet gespielt und eine gute Defensivorganisation gehabt. Die Mannschaft hat sich positiv präsentiert, es fehlte nur ein Treffer. Man muss immer berücksichtigen, in welcher Situation Hertha steckt. Vieles ist auch eine Frage des Selbstvertrauens und der Sicherheit.

Hertha hat bisher neun Tore geschossen, Ihr Stürmer Stefan Kießling hat alleine zwölf.

Das ist auch eine außergewöhnliche Leistung von Stefan Kießling. Hertha tut sich vorne schwer. Aber Adrian Ramos ist ein entwicklungsfähiger Spieler, Raffael ein sehr guter Fußballer. Das sind aber Spieler, die vielleicht eine Atmosphäre brauchen, in der sie in Ruhe und ohne Druck spielen können. Das ist in Berlin im Moment nicht gegeben.

Hertha war in der vergangenen Saison Vierter, ist jetzt abgeschlagen Letzter. Die Bundesliga ist sehr ausgeglichen. Wieso steht Hertha so weit hinter den anderen Klubs?

Sie haben auf jeden Fall entscheidende Leistungsträger verloren, in der Defensive und im Sturm. Dort liegt das Manko, und dort ist vielleicht auch der Schlüssel zu finden. Wenn man nicht von Anfang an in die Erfolgsspur findet, ist es möglich, dass man in eine Abwärtsspirale gerät. Ob die Neuerwerbungen noch Zeit brauchen oder die Abgänge nicht ersetzen können, vermag ich nicht zu beurteilen.

Ihr Stürmer Theofanis Gekas sitzt auf der Bank. Wenn jetzt auch Patrick Helmes zurückkehrt, sinken seine Einsatzchancen weiter. Würden Sie ihm raten, im Winter nach Berlin zu wechseln?

Er hat noch nicht viele Chancen bekommen, weil Eren Derdiyok und Stefan Kießling hervorragend harmoniert haben. Er muss es selbst entscheiden. Ich kann mir vorstellen, dass er wechseln will, er braucht Spielpraxis für die griechische Nationalmannschaft. Ich habe nicht mit ihm darüber gesprochen, aber ich habe gehört, dass sein Berater schon mit unserem Sportdirektor Rudi Völler gesprochen hat und Klubs wie Frankfurt und auch Berlin Interesse haben sollen.

Was für ein Spiel erwarten Sie am Freitagabend?

Ich erwarte, dass Hertha uns attackiert und frühzeitig stören wird. Ich setze voraus, dass eine Mannschaft in einer solchen Situation so agieren wird.

Interview: Mathias Klappenbach

Jupp Heynckes, 64, hat Bayer Leverkusen an die Spitze der Bundesliga geführt. Er gewann mit Real Madrid die Champions League und wurde mit dem FC Bayern zweimal Meister.

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