Interview Magdalena Neuner : "Es war ganz schön viel für mich"

Magdalena Neuner ist die bislang erfolgreichste Sportlerin bei den olympischen Spielen von Vancouver. Im Interview erklärt sie, wieso sie dennoch auf einen Start in der Staffel verzichtet.

Magdalena neuner
Zu müde für die Staffel: Magdalena Neuner.Foto: dpa

"Für mich sind die Olympischen Spiele heute beendet. Ich werde die Staffel nicht laufen", sagte Magdalena Neuner während der Pressekonferenz im Deutschen Haus in Whistler. Ungläubiges Staunen bei allen Beobachtern - mit diesem Verzicht hatte niemand gerechnet. Wenige Stunden zuvor hatte die Biathletin im Massenstart ihre zweite Goldmedaille gewonnen und sich damit zur erfolgreichsten Sportlerin der Winterspiele aufgeschwungen.



Frau Neuner, Sie verzichten auf einen Staffel-Einsatz. Wie haben ihre Mannschaftskolleginnen reagiert?


Ich habe den Mädels gesagt, dass ich auf meinen Startplatz verzichten werde, weil ich meine Medaillen schon gewonnen habe. Ihre Reaktion war eigentlich eher so, dass sie gesagt haben: Stark von dir. Ich glaube, sie freuen sich, dass sie noch einmal einen Einsatz bekommen und noch einmal die Chance haben, eine Medaille zu holen. Ich gönne es Ihnen von Herzen.
 
Ist die Staffel denn ohne Sie noch so stark?

Ja, definitiv. Die Martina Beck ist eine unglaubliche Startläuferin. Die Andrea Henkel hat auch schon oft ihre Klasse gezeigt. Zu Simone Hauswald braucht man nicht viel dazu sagen. Und Kati Wilhelm hat als Schlussläuferin schon oft genug überzeugt. Definitiv haben die vier eine Chance, eine Medaille zu holen. Mit Sicherheit.

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Aber auf eine zweimalige Olympiasiegerin zu verzichten, fällt doch bestimmt schwer. Was hat ihr Trainer Uwe Müssiggang gesagt?


Der Uwe hat gesagt, das ist meine Entscheidung. Aber es ist für ihn auch unheimlich schwierig, jemandem zu sagen, du darfst nicht laufen. Wir sind halt fünf starke Läuferinnen. Es gibt noch drei bei uns in der Mannschaft, die keine Medaille haben. Am schönsten ist es für das ganze Team, wenn jede eine Medaille mit heim nimmt.

Ist Ihnen denn die Entscheidung schwer gefallen? Sie hätten ja auch als dreimalige Olympiasiegerin nach Hause fahren können?

Man muss die Kirche im Dorf lassen. Ich bin unheimlich glücklich damit, was ich gewonnen habe. Für mich haben sich mehr als alle Träume erfüllt. Für mich ist es die richtige Entscheidung. Es muss ja keiner verstehen.

Wie ist die Entscheidung gefallen?

Die Trainer und ich haben uns zusammengesetzt. Es ist üblich, dass der Trainer mit dem Sportler darüber spricht: Willst du Staffel laufen? Wie machen wir es? Wir haben uns darüber unterhalten, und ich habe meine Sorgen deutlich gemacht, dass es am Dienstag nicht klappen könnte. Es war schon alles ganz schön viel für mich. Ich möchte einfach nicht, dass es nicht klappt und die Mädels dann enttäuscht sind.


Quelle: ZEIT ONLINE, dpa 

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