Interview : Marko Pantelic: „Plötzlich ist es Liebe“

Fußballer Marko Pantelic spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über Serbiens erste Qualifikation für eine WM sowie seine Vergangenheit - und Zukunft - bei Hertha BSC.

Ingo Schmidt-Tychsen
WM-Qualifikation - Serbien - Rumänien 5:0
Marko Pantelic setzt sich beim 5:0 der Serben gegen Rumänen im Zweikampf mit Ciprian Marica vom VfB Stuttgart durch.Foto: dpa

Herr Pantelic, stören wir beim Feiern?



Ach, das Feiern ist doch irgendwie immer dasselbe. Was wirklich zählt ist, dass wir Serben uns für die WM qualifiziert haben, zum ersten Mal.

Was bedeutet das für Ihre Landsleute?

Serbien ist ein junges Land und deshalb sind solche Erfolge enorm wichtig. Das stärkt die Identität, den Zusammenhalt. Die Menschen bekommen das Gefühl, dass das kleine Serbien eine Rolle spielt in der weiten Welt. Wir haben Rumänien 5:0 geschlagen, das ist schon etwas Besonderes. Und wir stehen in der Gruppe vor Frankreich – dem riesigen Frankreich. Das muss man sich mal vorstellen.

Was sagen Ihnen die Leute auf der Straße?

Bevor wir uns qualifiziert hatten, war der Umgang zwischen uns Spielern und den Menschen hier von gegenseitigem Respekt geprägt. Seitdem wir qualifiziert sind, ist es mehr geworden: Es ist Liebe! Vorher haben sie mir die Hand gereicht, um mich zu begrüßen, jetzt werde ich umarmt. Das ist schön.

Wie schätzen Sie die Chancen Ihrer Mannschaft für die WM in Südafrika ein?

Schwer zu sagen. Aber wir wollen eine gute Rolle in dem Turnier spielen, klar.

Ihr alter Verein Hertha BSC steckt derzeit in der Krise. Verfolgen Sie das noch?

Ich habe mehr als vier Jahre lang in Berlin gelebt und für den Verein gespielt. Natürlich verfolge ich das. Sehr intensiv. Ich habe Kontakt zu vielen Leuten im Klub.

Zu wem denn?

Ich telefoniere häufig mit Jaroslav Drobny, Patrick Ebert, Arne Friedrich, Gojko Kacar, fast der gesamten medizinischen Abteilung, dem Torwarttrainer Enver Maric und noch einigen anderen.

Lucien Favre, der Trainer, der Sie nicht mehr in Berlin gewollt hat, ist inzwischen weg. Also steht Ihrer Rückkehr nach Berlin doch nichts mehr im Wege, oder?

Es ist zu früh, um darüber zu sprechen. Im Moment widme ich mich ausschließlich Ajax Amsterdam. Ajax soll den besten Marko Pantelic bekommen, den es gibt. Das andere Thema hat Zeit.

Ihr Vertrag läuft Ende der Saison aus. Haben Sie mal mit Herthas Manager Michael Preetz über eine Rückkehr gesprochen?

Nein. Ich habe nicht mehr mit ihm telefoniert, seit ich Berlin nach der vergangenen Saison verlassen habe.

Wie schätzen Sie Herthas Chancen auf den Klassenerhalt ein?

Es ist keine einfache Situation. Aber ich habe nur positive Gedanken und bin fest davon überzeugt, dass die Mannschaft da rauskommt. Arne, Gojko, Jaroslav, Patrick – das sind Jungs mit Charakter. Ich habe Vertrauen zu ihnen. Außerdem ist der neue Trainer ein guter Mann. Er kann Hertha da rausholen.

Wie beurteilen Sie, mit etwas Abstand, den alten Trainer Lucien Favre?

Bitte respektieren Sie, dass ich dazu nichts sagen möchte.

Wie kommen Sie in Amsterdam zurecht?

Sehr gut. Ich hatte einen super Start und habe gleich getroffen. Ich habe ein paar wirklich gute Spiele gezeigt.

Aber Sie stehen nicht immer in der Startelf.

Ich bin spät zum Team gestoßen – die anderen hatten schon eine Weile zusammen trainiert, als ich Ende August zu Ajax kam. Doch sie haben schnell gemerkt, dass ich ein guter Spieler bin.

Was ist der Unterschied zur Bundesliga?

Noch kann ich die Ligen nicht so gut vergleichen. In Deutschland gibt es sieben oder acht Mannschaften, die um die Meisterschaft mitspielen können. Hier ist es ein kleinerer Kreis von zwei oder drei Traditionsvereinen, die seit zwanzig Jahren oben stehen. Dazu kommen dann noch zwei oder drei andere Klubs, die überraschen können. Aber hier wird auch schnell und scharf gespielt.

Interview: Ingo Schmidt-Tychsen

Marko Pantelic, 31, war in den vergangenen Jahren erfolgreichster Torschütze von Hertha BSC. Seit dieser Saison steht der serbische Stürmer bei Ajax Amsterdam unter Vertrag.

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