Interview : Markus Babbel: „Ich wollte wieder im Mittelpunkt stehen“

Markus Babbel spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über Stuttgarts Aufholjagd, solide Lebensführung und den Traum vom Leben als Rockstar.

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Markus Babbel, 36, wurde beim VfB Stuttgart nach der Entlassung von Armin Veh im November 2008 zum Cheftrainer befördert und...

Herr Babbel, Sie sind Heavy-Metal-Fan. Müssen Sie sich deswegen oft rechtfertigen?


Dafür muss man sich nicht rechtfertigen. Es ist ein Lebensgefühl und eine Lebenseinstellung.

Finden Sie, dass Metallica den Geist von früher und die Authentizität verloren hat?

Das ist Geschmacksache. Natürlich waren sie früher härter. Aber für mich ist das nach wie vor die beste Band.

Was bedeutet für Sie Authentizität im Trainerberuf?

Dass man nicht wie ein Rockstar leben kann (lacht). Ich habe als Trainer eine Vorbildfunktion, die ich auch vorleben muss. Ich musste meine ganze Karriere diszipliniert sein, um Leistung bringen zu können. Deswegen ist das Rockbusiness vielleicht eine Parallelwelt, in der man gerne mal leben möchte und in der man nicht immer diszipliniert sein muss. Wenn ich da allerdings mal mitmachen würde, wäre ich nach 14 Tagen aus dem Rennen. Ich bin nicht der Typ, der abends feiern geht und am nächsten Tag ein super Spiel abliefert.

Inwieweit fordern Sie diese Disziplin bei Ihren Spielern ein?

Ich kann von meinen Spielern nichts fordern, was ich nicht selbst vorlebe. Natürlich gehe ich nach einem Spiel essen und trinke auch mal das ein oder andere Glas Bier oder Wein. Doch jetzt, wo wir vor den entscheidenden Wochen im Ligaendspurt stehen, müssen wir alles investieren, um Top-Leistungen abrufen zu können. Dazu muss man solide leben. Kontrollieren würde ich das aber nicht. Ich glaube, die Spieler wissen schon, worauf es ankommt.

Als Spieler war es um Sie etwas ruhig geworden. War es schwer, plötzlich wieder so stark im Mittelpunkt zu stehen?

Das war mein Ziel, ich wollte wieder da hinkommen, weil es mein Leben ist. Als Spieler war ich immer an vorderster Front. Daher stand es für mich früh fest, nach der Profikarriere Cheftrainer einer Bundesligamannschaft zu werden. Dass es so schnell ging, war natürlich überraschend. Auch wenn die Begleiterscheinungen durch die Entlassung von Armin Veh nicht schön waren. Doch der Verein hat mir das Vertrauen gegeben...

... das Sie ihm nun zurückgeben, wie man an der Tabelle sieht. Der VfB hat sich auf Rang vier vorgearbeitet.

Es ist es natürlich optimal gelaufen. Wir haben es nach den schlechten Ergebnissen der Vorrunde geschafft, alles in die richtigen Bahnen zu lenken.

Sie haben Ihren Vertrag in Stuttgart gerade bis zum Sommer 2011 verlängert. Was haben Sie in Stuttgart vor?

Ich möchte das Maximum erreichen. Der Verein ist hervorragend aufgestellt, und wir haben eine gute Mannschaft: Ich denke, in Zukunft ist einiges möglich. Entscheidend ist jedoch, dass wir bereits nach dieser Saison in einem der internationalen Wettbewerbe spielen.

Warum ist der VfB Experte für Aufholjagden? 2007 führte dies zum Meistertitel, und jetzt sieht es ähnlich gut aus.

Das scheint der Mannschaft wirklich zu liegen. Allerdings arbeiten wir daran, dass wir nicht immer so einen langen Anlauf brauchen. Die Mannschaft hat Großartiges geleistet und für jeden einzelnen Sieg hart arbeiten müssen. Das wird sie auch für die letzten Spiele tun müssen, damit wir am Ende unter die ersten fünf Teams kommen.

Wie haben Sie die VfB-Spieler wieder stark gemacht? Haben Sie mehr Wert auf psychologische Aspekte oder die tägliche Trainingsarbeit gelegt?

Es ist eine Mischung aus beidem. Ich habe den Spielern erklärt, was sie für eine Bedeutung für den Verein haben. Der VfB hat sie nicht geholt, weil sie unheimlich nette Kerle sind, sondern weil sie über sehr viel Qualität verfügen. Wir haben das Training ein bisschen umgestellt, damit die Spieler merken: Hier wird etwas Neues gemacht. Den Fußball neu erfunden haben wir aber nicht.

Das Gespräch führte Matthias Bossaller.

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