• Interview mit Andre Meyer zur Volleyball-EM: „Volleyball wurde als Mädchensport angesehen“

Interview mit Andre Meyer zur Volleyball-EM : „Volleyball wurde als Mädchensport angesehen“

Der europäische Verbandspräsident André Meyer spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über die Volleyball-Europameisterschaft in Berlin und den neuen Fairplay-Preis.

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Höhenflug. Volleyball hat bei der Europameisterschaft in Deutschland an Popularität gewonnen.
Höhenflug. Volleyball hat bei der Europameisterschaft in Deutschland an Popularität gewonnen.Foto: afp

Herr Meyer, wie ist Ihr Eindruck von dieser Volleyball-EM der Frauen?

Wir sind wirklich sehr zufrieden, wir haben eine gute Organisation, das Fernsehen überträgt in 130 Länder und wir haben eine sehr gute Zuschauerresonanz. Nur in Dresden und Schwerin gab es Abstriche, wir hätten erwartet, dass mehr polnische Fans dorthin kommen.

Und Ihr Eindruck von Berlin?
Als der SCC vor einiger Zeit mit seiner Mannschaft in die größere Max-Schmeling-Halle umgezogen ist, haben wir uns sehr gefreut. Man kann dem Verein dazu nur gratulieren. Dadurch kommen viel mehr Zuschauer. Jetzt haben wir bei der EM in Berlin auch 9000 Zuschauer, das haben wir lange nicht mehr gehabt.

Ist diese EM ein Schritt nach vorne für die Sportart Volleyball?
Ein großer Schritt nach vorne, auch weil die Resonanz der Medien größer ist. Wir hoffen, dass dieser Schub andauert. Wir vergleichen uns oft mit Handball und Basketball, das ist sehr interessant.

Und was ziehen Sie aus diesem Vergleich?
Die Basketballer sind für ihre EM von 16 auf 24 Mannschaften gegangen, wir haben bei dieser EM 16 Teams. Das Resultat ist, dass wir Top-Mannschaften, Top-Spielerinnen und Top-Spiele haben.

André Meyer, 68, führt seit zwölf Jahren als Präsident den Europäischen Volleyball-Verband. Außerdem ist der Luxemburger Vizepräsident des Internationalen Volleyball-Verbandes.
André Meyer, 68, führt seit zwölf Jahren als Präsident den Europäischen Volleyball-Verband. Außerdem ist der Luxemburger...Foto: CEV

Die EM fand in Deutschland und der Schweiz statt, haben sich Turniere in zwei Ländern bewährt?
Ja, wir wollen auch weiterhin die EM in zwei Länder vergeben. Denn durch zwei Ausrichterländer haben wir meistens auch zwei Heimmannschaften.

Sie haben mit Ihrem Verband gerade eine Kampagne gestartet, „Fair Play Volleyball Way“? Hat Volleyball eine solche Kampagne nötig?
Es gibt zu diesem Thema einen großen Nachholbedarf. Früher wurde Volleyball oft als Mädchensport angesehen. Aber es ist eine der Mannschaftssportarten, in denen der höchste Respekt vor dem Gegner und Schiedsrichter besteht. Das wollen wir noch mehr zeigen. Bei dieser EM vergeben wir erstmals einen Fairplay-Preis und wir wollen in unsere Fairplay-Kampagne auch das Publikum einbinden. Denn die Atmosphäre des Respekts hängt auch von den Zuschauern ab. Wir werden unsere Kampagne auf jeden Fall auf alle Komponenten ausweiten, also auch auf die Champions League und andere Vereinswettbewerbe.

Die Fragen stellte Friedhard Teuffel.

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