• Interview mit Manager Hoeneß über Champions League, Uefa-Cup und eine Reise nach Monaco: "Es muss ja nicht Manchester sein"

Sport : Interview mit Manager Hoeneß über Champions League, Uefa-Cup und eine Reise nach Monaco: "Es muss ja nicht Manchester sein"

Herr Hoeneß[als Sie am Montag in Larnaka au]

DIETER HOENESS (46) ist seit 1996 Manager von Hertha BSC. Der frühere Nationalspieler (sechs Länderspiele) führte den Verein im Gespann mit Trainer Jürgen Röber aus der zweiten Liga bis auf Platz drei der Bundesliga. Klaus Rocca sprach auf Zypern mit Dieter Hoeneß.

Herr Hoeneß, als Sie am Montag in Larnaka aus dem Flugzeug stiegen, war Ihr Hemd nach kurzer Zeit völlig durchgeschwitzt. Würden Sie bei diesen Temperaturen und dieser hohen Luftfeuchtigkeit Fußball spielen wollen?

Wenn ich die Chance hätte, demnächst in der Champions League zu spielen, ja. Sonst nicht. Wobei ich mich früher als Spieler bei hohen Temperaturen wohl gefühlt habe. Aber das ist ja hier schlimmer als in der Karibik. Außerdem bin ich nicht im Training. Ich muss erst mal meine beiden Knie operieren lassen.

Sie haben für drei Uhr in der Nacht zum Donnerstag einen Flug von Larnaka nach Monaco gebucht, um bei der Auslosung der Champions-League-Gruppen dabei zu sein. Sind Sie sicher, dass Sie den Flug nicht stornieren müssen?

Das auf keinen Fall. Am Freitag werden dort die Begegnungen im Uefa-Pokal ausgelost. Sollten wir gegen Famagusta ausscheiden, würden wir da mitspielen.

Haben Sie, so denn die Champions League erreicht wird, einen Wunschgegner?

Nein, in dieser höchsten europäischen Klasse ist jeder Klub ein Wunschgegner. Es muss ja nicht gerade Manchester United oder FC Barcelona sein. Im übrigen wären wir, sofern wir uns gegen Famagusta durchsetzen, im vierten Lostopf, also der schwächsten Gruppe. Wer 20 Jahre lang international nicht dabei war, hat natürlich einen schlechten Vereinskoeffizienten.

Ist ungefähr abzusehen, wie viel ein Verein kassiert, der das Startrecht für die Champions League erhält?

Das müssten etwa 15 Millionen Mark brutto sein. Wobei wir davon ausgehen würden, im Heimspiel-Durchschnitt rund 50 000 Zuschauer zu haben.

Wenn Hertha Platz drei in ihrer Gruppe belegen würde, stiege sie dann in der dritten Runde des Uefa-Pokals ein. Würde die finanzielle Rechnung von Hertha BSC auch dann noch aufgehen?

Ich will das mal ganz klar sagen: Wir haben in unserem Etat nicht mit Spielen in der Champions League kalkuliert. Da sind wir sehr konservative Kaufleute.

Gesetzt den Fall, Hertha scheitert an Famagusta und auch gleich in der ersten Runde des Uefa-Pokals. Wäre das für Hertha finanziell eine Katastrophe, da man ja noch beträchtliche rote Zahlen schreibt und auch Bankkredite abbezahlen muss?

Unsere langfristigen Verbindlichkeiten sind nicht so gravierend. Eine Katastrophe wäre ein Scheitern für uns auch nicht. Allerdings wäre es sehr ärgerlich, wenn wir diese Chance vergeben. Fatal wäre es, hätten wir nur auf die Champions League gesetzt. Wir haben so viel in die Mannschaft investiert, weil wir mit besseren sportlichen Leistungen beispielweise auch für das Fernsehen attraktiver geworden sind, unseren Wert für Sponsoren erheblich erhöht haben und mittelfristig auch mal einen erstklassigen Spieler verkaufen werden, wenn wir einem hohen Angebot nicht widerstehen können.

Haben Sie eigentlich mit dem Spielerrat Einigung über die Höhe der Prämie für den Fall des Einzugs in die Champions League erzielt? Es war von 100 000 Mark pro Spieler die Rede.

Durch die Verletzungen von Kjetil Rekdal und Michael Preetz sind wir nicht mehr zu den Gesprächen gekommen. Ich werde die Summe festlegen. Davon werden sich die Spieler mindestens zwei warme Mahlzeiten leisten können. Im übrigen finde ich es unerträglich, dass im Fußball immer nur über Geld gesprochen werden muss.

Marko Rehmer ist hier auf Zypern dabei, wenn auch mit Krücken. Hat Hertha BSC die sieben Millionen Mark für ihn in den Sand gesetzt? Schließlich wäre er nach der Saison ablösefrei zu haben gewesen.

Natürlich nicht. Wir haben Marko auf die Liste der 25 Spieler gesetzt, die für die Champions League gemeldet werden müssen. Ich glaube, dass er Mitte Oktober für uns spielen wird. Im Übrigen hat er nicht sieben Millionen Mark gekostet, sondern nur 6,5.

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