Interview mit Mario Götze : „Am Ende ist alles nur ein Spiel“

Mario Götze ist 40 Millionen Euro wert – und wohnt noch bei seinen Eltern. Im Interview erzählt der Fußballer von den zwei Welten, in denen er sich zurechtfinden muss.

Mario Götze beim EM-Training mit der Nationalmannschaft.
Mario Götze beim EM-Training mit der Nationalmannschaft.Foto: dpa

Herr Götze, seit kurzem sind Sie in einem globalen Werbespot eines großen Sportartikelherstellers zu sehen. Es liegt viele Jahre zurück, dass ein deutscher Fußballer derart gefragt war. Was sagt uns das?

Dass der deutsche Fußball an Wertschätzung gewonnen hat.

Und was sagt das über Sie?

Dass ich ein Teil davon bin.

So bescheiden? Nehmen Sie solche Termine eigentlich gern wahr oder machen Sie das nur, weil es zum Geschäft gehört?

Was heißt Geschäft? Ich betrachte solche Dinge eher situationsbedingt. Es gibt Termine, die man gern macht, weil der Auftrag interessant ist. Und der Auftrag ist interessant, wenn es Spaß macht und der Inhalt stimmt. Manchmal sind solche Termine aber auch nervig.

Hören wir da eine gewisse Abneigung heraus, was den geschäftlichen Teil Ihres Berufes anbelangt? Sie gelten inzwischen fast als eine Art Popstar unter den Fußballern, als einer, der sich verkleiden muss, wenn er mal unbehelligt vor die Tür treten möchte.

Popstar gefällt mir nicht, und ich will auch keiner sein. Ich halte das alles für ein bisschen hoch gegriffen. Die Aufmerksamkeit, ja der Rummel um mich ist bisher nur national. Deswegen ist es noch relativ entspannt. Was ich mal angemerkt habe, war lediglich, dass man in Dortmund nicht weggehen kann, wenn man bei Borussia Dortmund spielt.

In der öffentlichen Wahrnehmung genießen Sie eine beachtliche Stellung. Sie gelten als einer der besten deutschen Fußballer überhaupt, vor allem beim jüngeren Publikum genießen Sie Popstar-Status. Gucken Sie zu anderen Popstars, wie diese mit ihrer Popularität in der Öffentlichkeit umgehen?

Oh, das ist schwierig. Da ist ja eine ziemlich große Distanz zwischen dem – sagen wir mal – Sänger und sich selbst. Man weiß ja nie, wie sehr ihre Popularität in ihr Leben hineinragt, was sie so alles anstellen müssen, um einigermaßen in Ruhe zu leben.

Aber Sie sind doch nicht so naiv und sagen: Ich lasse das jetzt mal alles auf mich zukommen und gucke dann, wie ich damit zurechtkomme?

Natürlich nicht. Ich glaube, das kommt so ein bisschen mit der Erfahrung. Bei mir ist es ja noch nicht so lange her, dass das Ganze losgegangen ist. Und ganz so schlimm ist es auch noch nicht geworden. Aber die Situationen werden vielleicht kommen, die ich dann bewältigen muss.

Trotz Ihrer Jugend wird Ihnen eine gewisse Ignoranz diesen Aufgeregtheiten gegenüber nachgesagt. Ist das eine natürliche Gabe oder anerzogen?

Schon ein wenig antrainiert. Klar, am Anfang sagt man dann doch noch oft Ja, wenn man eigentlich hätte Nein sagen sollen. Aber das lernt man mit der Zeit. Das sind die unausgesprochen Mechanismen, die man sich in dieser Branche aneignet.

Wie wichtig ist dabei Ihr Vater, der aus einer ganz anderen Ecke kommt, aus dem universitären, dem intellektuellen Bereich?

Na ja, er ist immer schon sehr bedacht darauf, dass man seine eigene Normalität beibehält. Ich glaube, das ist auch das Wichtigste. Und das versucht er innerhalb der Familie zu vermitteln.

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