Interview mit Michael Preetz : "Schenkt Galatasaray fünf ein!"

Herthas Sportdirektor Michael Preetz im Interview über seine Spiele als Stürmer gegen Istanbul – und was heute anders ist als beim 1:4 vor neun Jahren im Olympiastadion.

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Michael Preetz erzielt 1999 in der Champions League sein Tor gegen Galatasaray. Jetzt ist er 41 und Leiter der...Foto: Bernd Wende

Herr Preetz, in diesen Tagen macht Ihr Name mal wieder die Runde. Es geht um die Nachfolge von Dieter Hoeneß, der in eineinhalb Jahren als Vorsitzender der Geschäftsführung von Hertha BSC ausscheidet. Alle Welt erwartet, dass Sie diesen Job übernehmen.



Dazu ist doch alles gesagt. Ich stehe bereit, im Sommer 2010 die Nachfolge von Dieter Hoeneß anzutreten. Alles Weitere wird sich zeigen. Lassen Sie uns doch lieber über sportliche Dinge reden, über die tolle Saison, die Hertha BSC spielt.

Also gut, reden wir über das Uefa-Cup-Spiel am Mittwoch gegen Galatasaray Istanbul.

Sehr gutes Thema! Mit Galatasaray verbinde ich sehr angenehme Erinnerungen.

Wie bitte? Sie standen im Oktober 1999 als Stürmer auf dem Platz, als Hertha in der Champions League gegen Galatasaray gespielt hat. Denken Sie wirklich gern zurück, trotz der 1:4-Niederlage?

Natürlich. Diese Saison 1999/2000 war doch unser ganz großes Jahr. Wir waren ja erst 1997 in die Bundesliga aufgestiegen und spielten nun in der Champions League. Auch wenn ich mich natürlich lieber an das Hinspiel in Istanbul erinnere.

Es war Herthas Premiere in der Champions League...

... und ich habe gleich nach zehn Minuten unser Führungstor geschossen. Dariusz Wosz hat noch ein zweites Tor nachgelegt, und bis kurz vor Schluss lagen wir immerhin noch 2:1 in Führung.

Dann gab es einen sehr umstrittenen Elfmeter für Galatasaray, der noch zum Ausgleich führte.

Also, der Schiedsrichter hat uns als Neuling im internationalen Geschäft sicherlich nicht bevorteilt. Aber insgesamt gesehen war das 2:2 ein großartiger Erfolg für unsere Mannschaft.

Das Rückspiel in Berlin war nicht ganz so großartig.

Sportlich gesehen sicherlich nicht, aber die Atmosphäre war überragend. Das Olympiastadion war fast ausverkauft, es war ein richtiges Derby.

Aber fast die Hälfte des Publikums hat den Gegner angefeuert.

Nein, das stimmt nicht. Es war ein Derby, aber mit uns als Heimmannschaft. Die überwiegende Mehrzahl der Zuschauer war eindeutig auf unserer Seite.

Auch die türkischen?

Ein Teil schon. Ich weiß noch, wie ich ein paar Tage vorher im Taxi gefahren bin. Am Steuer saß ein Türke, er hat mich erkannt und gesagt: Hoffentlich schenkt ihr Galatasaray fünf Stück ein.

Das sagte ein türkischer Taxifahrer?

Der Mann war Fan von Fenerbahce.

Hertha hätte damals ein Punkt gereicht, um die nächste Runde zu erreichen. So gut ist die Ausgangsposition dieses Mal nicht.

Ja, das ist der fundamentale Unterschied zwischen den beiden Spielen. Wir müssen am Mittwoch unbedingt gewinnen, wenn wir im nächsten Jahr noch international dabeisein wollen. Ich halte das eher für einen Vorteil. Die Mannschaft muss von Anfang an auf Sieg spielen.

Heißt das, Sie wollten 1999 auf Unentschieden spielen?

Natürlich nicht, so etwas funktioniert nie, erst recht nicht im eigenen Stadion, wenn die Zuschauer einen nach vorne peitschen. Aber man hat natürlich im Hinterkopf, dass ein Pünktchen schon reicht, und natürlich haben wir alle auf die große Sensation gehofft: Wir als Neuling im internationalen Geschäft setzen uns in dieser starken Gruppe mit Chelsea, Galatasaray und dem AC Mailand durch.

Es fing gegen Galatasaray ganz gut an.

Es war sicherlich kein besonders schönes Spiel, aber in der ersten Halbzeit haben wir es kontrolliert. Es stand lange 0:0, und kurz vor der Pause bekommen wir einen Elfmeter.

Das ganze Stadion hat erwartet, dass Sie schießen würden. Es lief damals in der Bundesliga nicht so gut, nach neun Bundesligaspielen hatten Sie als Torschützenkönig der vergangenen Saison gerade zwei Tore geschossen. Ein Erfolgserlebnis in diesem wichtigen Spiel in der Champions League hätte Ihnen gutgetan.

Es war damals eine schwierige Zeit für mich. Ich hatte mir ein paar Wochen vorher in Bielefeld den Arm gebrochen und konnte nur mit einem Gipsverband spielen. Das hat mich bis zur Winterpause behindert. Und als Elfmeterschütze war Kjetil Rekdal bei uns gesetzt. Erst recht in diesem Spiel.

Warum das?

Im Tor bei Galatasaray stand der Brasilianer Claudio Taffarel, und gegen den hat Kjetil ein Jahr vorher bei der WM in Frankreich einen Elfmeter verwandelt. In der letzten Minute, als es darum ging, ob die Norweger in die nächste Runde kommen oder nicht. Im Vergleich damit war doch ein Elfmeter in einem Vorrundenspiel der Champions League eine leichte Übung.

Rekdal hat souverän verwandelt und Hertha ging mit einer 1:0-Führung in die Halbzeitpause. Aber danach lief nicht mehr viel zusammen – vielleicht auch, weil Sie ausgewechselt wurden…

Sie dürfen nicht vergessen, dass Galatasaray eine großartige Mannschaft hatte. Mit Taffarel, dem Rumänen Georghe Hagi oder Emre Belözoglu, der später in Newcastle und bei Inter Mailand gespielt hat.

Und mit Hakan Sükür, einem Stürmer, der Ihnen von der Statur her sehr ähnlich war.

In diesem Spiel hat er leider mit zwei Toren den Unterschied gemacht. Aber Galatasaray war in der zweiten Halbzeit ohnehin viel besser, die hatten ja noch ein paar sehr gute Torchancen. Das 4:1 ging schon in Ordnung.

Eine Woche später mussten Sie zum letzten Vorrundenspiel beim FC Chelsea antreten.

Und wieder hätte uns ein Unentschieden gereicht. Wir wussten, dass das an der Stamford Bridge nicht einfach werden würde.

Hertha verlor 0:2 und kam dennoch in die nächste Runde…

… weil Galatasaray zur selben Stunde 3:2 gegen den AC Mailand gewonnen hat. Sagen wir mal so: Das war eine, aus unserer Sicht, angemessene Reaktion auf das 4:1 bei uns.

Das Gespräch führte Sven Goldmann.

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