Sport : Interview mit Rolf Rüssmann: "Die Zweite Liga ist nicht unser Thema!"

Herr Rüssmann[kaum waren Sie zwei Tage in St]

Rolf Rüssmann (50) spielte für Schalke 04 und Borussia Dortmund und war anschließend Manager in Mönchengladbach. Seit drei Wochen arbeitete er in dieser Funktion beim VfB Stuttgart, der heute Hertha BSC empfängt.

Herr Rüssmann, kaum waren Sie zwei Tage in Stuttgart, da gab es einen grandiosen 6:1-Sieg gegen Kaiserslautern, und manche sahen in Ihnen schon den Messias. Und jetzt ...

Das war doch klar, dass es nicht so weitergehen würde. Ich kenne das Geschäft viel zu lange, um irgendwelchen Träumen nachzuhängen. Mir war von Anfang an klar, dass es hier großen Handlungsbedarf gibt. Und daran hat sich nichts geändert, weder durch den Sieg gegen Lautern, noch durch die Niederlagen gegen Schalke und die Bayern.

Ist es grundsätzlich überhaupt möglich, in so kurzer Zeit positiven Einfluss zu nehmen?

Ich bin nicht so vermessen, meine eigene Arbeit so überzubewerten, als dass ich glauben würde, alleine schon den Sieg gegen Lautern bewirkt zu haben. Das wäre überheblich und dumm. Dennoch kann das persönliche Gespräch dem Einzelnen neue Sichtweisen eröffnen.

Wo sehen Sie den dringlichsten Handlungsbedarf?

Zuerst muss unbedingt das Zerbröseln der Mannschaft und damit auch des Vereins gestoppt werden. Den abwanderungswilligen Spieler muss man klarmachen, dass sie hier gebraucht werden, dass sie hier aber auch eine Perspektive haben, die ganz klar in der Ersten Liga zu sehen ist. Wenn diese Leute unterschreiben, hat das Signalwirkung.

Um diese Spieler zu halten, ist viel Geld nötig.

Warten wir doch einfach mal ab. Glauben Sie mir, wir arbeiten hart daran, auch hier eine andere Betrachtungsweise zu bekommen, und ich bin überzeugt, dass wir das auch schaffen.

Umso mehr muss es Sie schmerzen, dass Sie zu spät gekommen sind, um Pablo Thiam zu halten. Der geht zum FC Bayern.

Das stimmt, mit Pablo hätte ich unbedingt verlängern wollen, und dafür hätte ich auch alles getan. Was nicht heißen soll, dass man das vorher nicht auch versucht hat.

Vor einer Woche in München hat der VfB ängstlich einen Punkt verspielt. Verkennt Ihr Spieler Zvonimir Soldo die Situation, wenn er sagt: "Wir haben noch genug Spiele"?

Das, was Soldo gesagt hat, war die treffende Analyse. Denn diese Aussage macht deutlich, dass die Mannschaft in keiner Weise daran zweifelt, die Klasse zu halten. Und in der Tat kann man nur mit diesem Selbstbewusstsein und mit dieser positiven Haltung auch erfolgreich sein ...

oder doch absteigen. Der "Kicker" vergleicht die Situation beim VfB mit der von Kaiserslautern 1996. Dort hatte man die Situation erst begriffen, als es zu spät war.

Ich bin gerade wenige Tage in Stuttgart, und Situationen wie diese habe ich schon häufig durchgemacht. Ich weiß, was zu tun ist, da können Sie ganz sicher sein. Mit Kaiserslautern 1996 verbindet uns nichts. Die Leute sollen schreiben, was sie wollen, wir werden die Dinge nun endlich in ein anderes Licht setzen.

Dann fangen Sie doch mit Krassimir Balakow an. Den hat die "Süddeutsche Zeitung" als Auslaufmodell und Hauptproblem des VfB bezeichnet.

Wir wissen, dass Krassimir Balakow mit seiner Spielweise durchaus Impulse setzen kann und das auch tun wird. Ob und wann er aber aufgestellt wird, das ist nicht mein Bier, das entscheidet einzig und allein der Trainer.

Arbeiten Sie parallel auch an einem Konzept für die Zweite Bundesliga?

Definitiv nein, die Zweite Liga ist nicht unser Thema.

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