Interview mit Schalkes Manager : "Kevin Kuranyi wurde nicht genug gewürdigt"

Andreas Müller, Manager von Kevin Kuranyis Klub Schalke 04, attackiert Bundestrainer Löw nach Kuranyis Rauswurf aus dem DFB-Team. Diesen hatte der Stürmer durch sein Verschwinden provoziert.

Schalke von Blatter-Brief unbeeindruckt
Wütend auf Löw. Schalkes Manager Andreas Müller versteht Kevin Kuranyis Reaktion. Dieser verließ das Stadion im Frust während des...Foto: dpa

Herr Müller, überrascht Sie die Entscheidung Kevin Kuranyis?

Nein. Für mich stand am Samstagmittag fest, dass Kevin von der Nationalmannschaft abreisen würde. Er hatte mich angerufen und gesagt, dass er nach dem Spiel noch ein Gespräch mit dem Bundestrainer führen wolle. Er hat es sich dann wohl anders überlegt.

Es sieht aber eher nach Flucht denn nach Abschied aus.

Man kann sicher diskutieren, ob das die feine englische Art ist. Aber ich kann die Reaktion nachvollziehen. Ich mag Spieler, die Entscheidungen treffen. Kevin hat eine Entscheidung getroffen.

Eine richtige Entscheidung?

Natürlich. Was in den letzten zweieinhalb Jahre passiert ist, ist nicht nachvollziehbar. Ich hätte mir für Kevin das Vertrauen der Trainer gewünscht, das andere erhalten haben. Er ist seit Jahren einer der konstantesten Torschützen in der Bundesliga und der Champions League. Das wurde nicht ausreichend gewürdigt.

Welche Gründe hat die vermeintlich geringe Wertschätzung aus Ihrer Sicht?

Ich hatte zuletzt nach Gesprächen mit unseren Nationalspielern den Eindruck, dass es im Nationalteam Spieler der Kategorie A, B und C gibt. Kevin war sicher nicht bei A zu finden. Warum, weiß ich nicht. Das haben andere zu entscheiden.

Werden Sie noch einmal ein Gespräch mit Bundestrainer Löw führen?

Ich habe den Eindruck, dass sich das Thema für die Trainer bereits erledigt hat. Offenbar haben die in den letzten Monaten eine Rangordnung der Stürmer festgelegt. Ich hatte in der letzten Zeit das Gefühl, dass Kevin im Angriff der Nationalmannschaft nur stören würde.

Wird es Sanktionen des Vereins geben?

Da werden wir noch mal in uns gehen. Aber eines steht auch fest: Jetzt muss auch dem Letzten klar sein, unter welchem Druck Kevin zuletzt gestanden hat, wenn er zur Nationalelf gereist ist. Das ist nun Gott sei Dank vorbei. Für Schalke wird diese Entscheidung nur Vorteile haben. Er hat jetzt viel Ballast abgeworfen und kann wieder befreit aufspielen.
 
Das Gespräch führte Jörg Strohschein.

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