Sport : Interview mit Tegla Loroupe

Sie haben Ihre Weltbestzeit verbessert - wie f&uum

Tegla Loroupe (26) verbesserte ihre Weltbestzeit auf 2:20:43 Stunden. Es war ihr 13. Marathon und zugleich ihr erster in Berlin. Mit ihr sprach Jörg Wenig.



Sie haben Ihre Weltbestzeit verbessert - wie fühlen Sie sich?

Ich muss mich zuerst einmal bei den Organisatoren und bei den Sponsoren bedanken, die es möglich gemacht haben, dass ich hier ganz kurzfristig starten konnte. Denn ursprünglich hatte ich einen Start beim Berlin-Marathon ja gar nicht geplant. Obwohl ich noch bis vor kurzem auf der Bahn gelaufen bin, haben die Veranstalter mir vertraut. Und als ich beim Istaf vor einigen Wochen hier war, haben sie mir den Kurs gezeigt. Die Strecke ist super - hier kann man wirklich Weltrekord laufen. Ich bin so glücklich - mir fehlen die Worte.

Wie war der Rennverlauf aus Ihrer Sicht?

Ich hatte während der ersten Hälfte überhaupt keine Probleme. Dann jedoch spürte ich einen leichten Schmerz in meinem linken Bein. Deswegen bin ich etwas vorsichtiger gelaufen und dadurch langsamer geworden. Ich wußte bald, dass meine Zwischenzeiten außerhalb des Bereiches meines Weltrekordes lagen. Aber das Publikum war an der Strecke wirklich toll, sie trieben mich förmlich zum Weltrekord. Da ich mich noch relativ gut fühlte, wollte ich diesem Publikum unbedingt einen Weltrekord bringen. Also habe ich alles auf eine Karte gesetzt.

Im Ziel haben Sie im ersten Augenblick gar nicht richtig realisiert, dass Sie Weltbestzeit gelaufen sind?

Ja, ich habe die Uhr nicht richtig erkannt und dachte, ich wäre 2:22 Stunden gelaufen.

Sie haben drei Mal den Rotterdam-Marathon gewonnen und hatten dort Ihre bisherige Bestzeit aufgestellt - welche Strecke ist denn besser?

Die Berliner Strecke ist besser als die in Rotterdam. Ich denke, ich kann hier wirklich auch unter 2:20 Stunden laufen. Im nächsten Jahr möchte ich bei den Olympischen Spielen in Sydney Marathon laufen - aber ich würde gerne in zwei Jahren wieder nach Berlin kommen, um dann die 2:20-Stunden-Barriere wieder anzugreifen.

Wissen Sie schon, wo Sie als nächstes laufen?

Ich habe noch keine Pläne. Der kenianische Verband hat mich als Titelverteidigerin für die Halbmarathon-Weltmeisterschaften nominiert, die nächste Woche in Palermo stattfinden. Ich werde wohl nach Palermo fahren, will aber nicht dort laufen. Wo ich im Frühjahr Marathon laufe, weiß ich noch nicht.

Es gibt immer wieder Diskussionen, weil Sie sich, wie auch andere Eliteläuferinnen, beim Marathon von Männern begleiten lassen. Speziell die Organisatoren des London-Marathons meinen, dies sei regelwidrig.

Ich verstehe nicht, warum sich einige darüber aufregen. Es gibt dafür keinen Grund. Ich habe einen Weltrekord aufgestellt - und ich bin die Strecke Schritt für Schritt gelaufen. Da kann mir keiner helfen. Bei reinen Frauenrennen habe ich in der Vergangenheit oft genug bewiesen, dass ich sehr schnell laufen kann. In einem großen gemischten Rennen wie Berlin brauche ich die Männer als Schutz, damit ich nicht umgerannt werde oder man mir in die Hacken tritt. Ich danke meinem Coach und Trainer Volker Wagner, der das für mich organisiert hat. Der London-Marathon hat 1998 seinen Frauen-Weltrekord verloren, den Ingrid Kristiansen dort in einem gemischten Rennen aufgestellt hatte. Pikanterweise setzen sie sich seitdem für eine neue Regelung ein, weil sie ein getrenntes Frauenrennen haben.

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