Interview mit Unions Geldgeber : Kölmel: „Kein einfaches Projekt“

Unions Geldgeber Michael Kölmel, der den Klub 1998 vor der Insolvenz rettete, spricht über den Verkauf von Stadion-Aktien an die eigenen Fans.

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Michael Kölmel.
Michael Kölmel.Foto: ddp

Herr Kölmel, was halten Sie von den Plänen des 1. FC Union, das Stadion An der Alten Försterei in Form von Aktien zu 58 Prozent an seine Mitglieder zu verkaufen?

Das ist kein einfaches Projekt. Aktiengeschäfte sind immer eine komplizierte Angelegenheit und 500 Euro pro Aktie sind auch nicht gerade wenig Geld.

Also sind Sie skeptisch, was den Erfolg der Aktion angeht?

Nein, wirklich nicht. Allein das über 2000 Mitglieder zur außerordentlichen Versammlung gekommen sind, zeigt, wie groß das Interesse von Seiten der Fans ist.

Der 1. FC Union schuldet Ihnen rund 10 Millionen Euro. Hätten Sie es nicht lieber gesehen, wenn ein Großsponsor den Bau der neuen Haupttribüne finanziert hätte? Allein der finanziellen Sicherheit wegen?

Auch diese Frage muss ich verneinen. Warum sollte sich der Klub um einen Großsponsor bemühen, wenn man es allein schaffen kann? Der Stadionverkauf an die eigenen Fans hat seinen Reiz, das ist ein charmantes Projekt. Außerdem könnte ein großer Sponsor sich irgendwann zurückziehen und es würde ein Besitzerwechsel fällig werden. Das wäre nicht gut für den Verein. Was Union mit dem Stadionverkauf an die eigenen Fans bezwecken will, verspricht viel mehr Kontinuität.

Haben Sie keine Angst, dass der Neubau den Klub so sehr belastet, dass Sie länger auf Ihr Geld warten müssen als vereinbart?

Der 1. FC Union und ich haben eine langfristige Vereinbarung über die Rückerstattung des Darlehens bis 2025. Das ist völlig unabhängig von dem Stadionprojekt.

Die neue Haupttribüne soll laut Verein 15 Millionen Euro kosten. Davon sind 10,5 Millionen bisher als Fremdkapital veranschlagt. Ist der Betrag nicht etwas hoch?

Der Betrag des Fremdkapitals ist solide und mit den Aktien kommt man in die Position, die Konditionen zu verbessern. Die Bonität steigt, die Zinsen und der zu verzinsende Betrag sinken.

Sie gehören dem Aufsichtsrat der Stadionbetriebs AG an. Mussten Sie überredet werden, dem Gremium beizutreten?

Als man von Vereinsseite an mich herangetreten ist, habe ich sofort zugesagt. Ich musste nicht groß überredet werden.

Weil Sie so mehr Kontrolle über das Geschehen haben?

Ach, ich bin ja nicht der Einzige im Aufsichtsrat. Die Entscheidungsgewalt ist auf mehrere Schultern verteilt.

Unions Fans haben vor drei Jahren das Stadion An der Alten Försterei bereits in Eigenregie renoviert. Ist es da nicht ungerecht, sie jetzt wieder zur Kasse zu bitten?

Ich sehe es nicht so, dass den Mitgliedern das Geld aus der Tasche gezogen wird. Niemand wird dazu gezwungen, eine Aktie zu kaufen. Die Fans machen das freiwillig, weil sie den Sinn der Aktion erkennen.

Aber es ist schon ungewöhnlich, dass die Aktien mit großer Wahrscheinlichkeit keinen finanziellen Gewinn für die Anleger versprechen. Oder sehen Sie das anders?

Ich würde das mit einem Familienunternehmen in der freien Wirtschaft vergleichen. Dort ist die Situation ähnlich, weil die Aktien darauf abzielen, das Unternehmen langfristig zu sichern. So verhält es sich hier mit dem Stadion auch.

Das Gespräch führte Sebastian Stier.

Michael Kölmel, 57,

gründete unter anderem den Filmverleih Kinowelt und erwarb das Leipziger Zentralstadion. 1998 bewahrte sein Geld den 1. FC Union vor der Insolvenz.

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