Interview : NBA-Star Jason Kidd: „Wir sind auf einer Mission“

Jason Kidd spricht mit Benedikt Voigt über den einzigen Zweck der Peking-Reise der US-Basketballer: Gold zu holen.

Jason Kidd
Jason Kidd, 35, spielt in der NBA mit Dirk Nowitzki in Dallas. Kidd nimmt nach 2000, als er mit den USA Gold gewann, zum zweiten...Foto: Imago

Jason Kidd, es gibt so viele Stars im US-amerikanischen Team, was ist eigentlich Ihre Rolle?

Ich trage das Wasser und die Handtücher. Nein, im Ernst, ich versuche nur meine Erfahrung von Olympia 2000 weiterzugeben, als wir das letzte Mal Olympiasieger geworden sind. Leider haben wir das in den letzten paar Jahren nicht mehr erlebt. Wir alle sind hier auf einer Mission. Die Welt ist besser geworden im Basketball und wir wissen das.

Hören die Mannschaftskollegen Ihnen überhaupt zu?

Wir haben vier Spieler im Team, die auch 2004 dabei waren…

…als die USA in Athen drei Spiele verloren haben und nur Bronze holten…

…denen muss ich gar nichts erzählen. Aber die neuen Jungs wie Michael Redd, die hören zu, wenn ich erkläre, wie es bei Olympischen Spielen zugeht.

Welche Geschichte haben Sie Kobe Bryant erzählt?

Das Wichtigste, was ich erzählt habe, ist die Erfahrung der Eröffnungsfeier und das Hören der Nationalhymne.

Aber die hören Sie doch vor jedem NBA-Spiel?

Hier ist es etwas anders. Sich vorzustellen, dass man verliert und eine andere Nationalhymne hört – das wäre die größte Enttäuschung für uns.

Welche Spiele haben Sie im Pleitenjahr 2004 angesehen?

Ich habe nicht mehr eingeschaltet, nachdem wir gegen Italien verloren hatten. Und das war noch in der Vorbereitung. Das war kein Team, nicht so wie in diesem Jahr. Wir wissen, dass Kobe Bryant nicht 30 oder 40 Punkte machen muss, aber wir brauchen ihn auch, um zu verteidigen und den Extra-Pass zu geben. Wenn wir das bringen, können wir nicht geschlagen werden.

Die Mannschaft wird „Redeem-Team“, Revanche-Team, genannt, was haben die US-Basketballer gutzumachen?

Das ist eine gute Gelegenheit für uns, unser Talent als Team zu zeigen. Aber letztlich sind wir hier nur zu einem Zweck: Gold zu gewinnen.

Drei Spieler haben schon eine NBA-Meisterschaft gewonnen – sind die überhaupt motiviert bei Olympia?

Ich denke, diese Mannschaft ist hungrig. Wir wissen, dass wir nicht zum Feiern hier sind, wir denken nicht, dass wir nur rausgehen brauchen und automatisch gewinnen. Wir haben bisher sehr hart gearbeitet, und diese Arbeit wird sich auszahlen.

Hat China heute im ersten Spiel überhaupt eine Chance?

Wir spielen in einer chinesischen Halle, wir müssen vorbereitet sein. China hat ein sehr gutes Team, es ist sehr groß gewachsen mit Centerspieler Yao Ming. Deutlich größer als wir, deshalb müssen wir aggressiv sein und unsere Geschwindigkeit nutzen.

Was halten Sie vom deutschen Team mit Ihrem Teamkollegen von den Dallas Mavericks, Dirk Nowitzki, gegen das Sie am Schluss der Vorrunde spielen?

Ich freue mich für Dirk, dass er es mit Deutschland hierher geschafft hat. Das war eines seiner Ziele, bei den Olympischen Spielen zu spielen. Unglücklicherweise ist das deutsche Team in unserer Gruppe, wir müssen es schlagen. Ich wünsche den Jungs viel Glück.

Haben Sie ihm das auch persönlich gesagt?

Ich habe mit ihm gesprochen, als wir im Dorf zu Besuch waren. Aber mit Dirk ist das so eine Sache – wenn er zum Essen kommen soll, braucht er zu lange. Wegen der Fans. Ich hatte keine Chance, ihn zu sehen.

Bereuen Sie es, nicht im olympischen Dorf zu wohnen?

Wir sind am Dienstagabend dorthin gegangen, und haben die anderen Athleten getroffen. Allein das, ich will nicht Chaos sagen, aber die Aufregung, die wir verursacht haben... Das zwei Wochen lang zu erleben, wäre hart. Wir sind hier, um eine Goldmedaille zu gewinnen. Alles andere wäre nur Zirkus.

Aber Dirk Nowitzki setzt sich diesem Zirkus auch aus?

Er ist nur einer. Wir sind zwölf.

Wie beurteilen Sie den Zustand des Basketballs in den USA?

Es gab einen Rückschritt. Wir sind ins Ausland gegangen und haben dort das Spiel gelehrt, aber die Heimat vernachlässigt. Den jungen Spielern fehlt die Basketball-Grundschule. Wir haben die besten Athleten, alle können springen und schnell rennen, aber die Fundamente haben wir aus den Augen verloren. Aber es kommt langsam zurück, man braucht nur die Fähigkeiten unserer jungen Spieler, Chris Paul oder LeBron James, zu sehen.

Wie läuft das Training ab, wenn die vielleicht zwölf besten Spieler der Welt gegeneinander spielen?

Das ist die beste Vorbereitung, die man haben kann. Es gibt keinen besseren Übungsgegner. Das Training ist immer hart umkämpft, keiner will verlieren, Kobe Bryant will sogar in jedem Trainingsspielchen den Spielstand mitzählen. So ehrgeizig sind wir.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt.

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