Interview : Nico Rosberg: "Ich schlaf nur in der Business-Klasse"

Formel-1-Pilot Nico Rosberg über sein Leben als Weltenbummler – beim Wandern und im Wohnmobil.

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Nico Rosberg, 24, fährt für Williams-Toyota. Er ist der Sohn des früheren Formel-1-Weltmeisters Keke Rosberg.Foto: dpa

Herr Rosberg, wie jetzt gerade in Budapest sind Sie das ganze Jahr über mit der Formel 1 in der Welt unterwegs. Haben Sie nicht manchmal Heimweh?



Ich hatte jetzt neun Hotels in vier Wochen, das schlaucht schon. Aber Heimweh? Nein. Mir macht das Reisen total viel Spaß, das ist sehr lehrreich und sehr interessant. Das würde ich auch in meiner Freizeit machen: neue Länder kennenlernen, neue Menschen entdecken, die Art und Weise, wie sie leben.

Sie haben also neben dem Autofahren gleich noch ein Hobby zum Beruf gemacht.

Ja, es gibt viele Orte auf der Welt, die ich gerne sehen würde und die mich reizen. Ich plane auch eine große Reise in der Winterpause. Indien interessiert mich zum Beispiel mit seiner Spiritualität oder Südamerika, Patagonien, eine Safari in Südafrika. Auch mal einfach wandern. Das ist jetzt nichts, was ich normalerweise machen würde, aber das ist ja auch ganz gut als Regeneration für den Körper. Es gibt so viel, ich habe nur die Angst, dass ich mir viel zu viel vornehme und es dann am Ende zu stressig wird.

Michael Schumacher hat bedauert, dass er außer dem Flughafen und der Strecke nie etwas von den Grand-Prix-Orten gesehen hat. Erkunden Sie auch die Städte, in denen Sie Rennen fahren?

Ja, besonders bei den Überseerennen. Da habe ich etwas mehr Zeit, weil wir wegen der Zeitumstellung schon immer etwas früher anreisen. Aber auch so bleibt immer der Samstagabend vor oder der Montag nach dem Rennen. Wir haben ja tolle Rennen in interessanten Städten wie Melbourne oder Singapur oder Schanghai.

Und was tun Sie da?

Ich gehe in die Stadt. In Restaurants schön essen oder abends auch mal was trinken oder shoppen oder hau mich an den Strand und geh surfen. Oder ich gucke mir die Besonderheiten der Stadt an. Ich bin auch sehr fotografieinteressiert und habe meine große Kamera immer dabei.

Reisen kann aber auch ganz schön stressig sein. Können Sie im Flugzeug schlafen?

Nein, ganz schlecht. Ich muss waagerecht liegen und brauche Ruhe, damit ich mich aufs Einschlafen konzentrieren kann, sonst geht es nicht. Schon allein deswegen muss ich Business-Klasse fliegen. In Europa fällt das Problem weg, da habe ich immer mein Wohnmobil, mit dem ich an die Strecken fahre.

Es gibt 2009 allein 17 Formel-1-Rennen. Sind Sie schon mal aufgewacht und wussten nicht, in welcher Stadt Sie sind?

Das nicht, aber ich war mal am Flughafen beim Check-in und die Frau fragte mich: Wo fliegen Sie denn hin? Und ich wusste es nicht. Ich war in der Woche in vier oder fünf verschiedenen Ländern, ich war müde und unkonzentriert, und es fiel mir einfach nicht ein. Sie hat mich angeguckt, als wäre ich bescheuert (lacht).

Wünschen Sie sich manchmal einen Bürojob von 9 bis 17 Uhr, bei dem Sie nach getaner Arbeit den Mantel über den Haken werfen und die Beine vor dem Fernseher lang machen können?

Nein. Ob jetzt Nine-to-five-Job oder Formel-1-Rennfahrer, ist auch gar nicht so entscheidend. Ich weiß nicht, ob es jemand anderen glücklicher machen würde, wenn er mein Leben führen würde. Meine Freunde haben alle Nine-to-five-Jobs, die sind auch nicht unglücklicher als ich. Es ist immer das Entscheidende, was du daraus machst.

Aber ein bisschen Heimat brauchen Sie doch auch, oder? Viele haben immer ihren Musikplayer dabei, um überall ein Heimatgefühl simulieren zu können.

Ich bin kein Musikfan. Ich habe einen Ipod geschenkt bekommen, aber noch nicht richtig benutzt. Bei mir ist es das Handy. Das verbindet mich mit Freunden und meiner Familie. Das ist schon cool, damit kann ich auch ins Internet gehen. Wenn ich es nicht dabei habe, dann fühle ich mich sehr nackt. Wie heute, da weiß ich gar nicht mehr, was Sache ist.

Wer so viel unterwegs ist, muss Bekannte in aller Welt haben.

Das stimmt – egal, wo ich hinkomme auf der Welt, da sind meine besten Freunde. Die kenne ich entweder durch die Rennerei oder von früher. Ich bin in Monaco aufgewachsen, und da bleibt ja keiner. Heute sind meine alten Freunde überall, in Australien, China, Amerika oder Südafrika. Die kann ich dann anrufen und fragen, ob wir mal was trinken wollen.

Können Sie auf Reisen Hobbys pflegen?

Ich spiele gerne Fußball, aber das geht selten auf Reisen. Poker geht halt immer. Da bin ich nicht sehr stolz drauf, eigentlich ist es Quatsch, vor einem Computer zu sitzen und zu pokern. Aber es macht Spaß. Ansonsten: Essen. Zählt das? Ich sehe das schon als Hobby, ich esse für mein Leben gern, Delikatessen, kreative, neue Sachen, vor allem länderbezogen. Ich war letztens mit meiner Freundin in Marrakesch, da gibt es gigantisches Essen.

Bekommen Sie bei Ihren Reisen mit, wie sich die Orte der Welt von Jahr zu Jahr verändern, nicht nur kulinarisch?

Ja. Meine Eltern haben ein Landhaus in Aix-en-Provence. Erst war das ganz einsam, jetzt ist das eine riesige Siedlung mit Industriegebiet geworden.

Jetzt mal ehrlich: Welchen Ort auf dieser Welt mögen Sie am wenigsten?

Kuala Lumpur. Da sitzen wir immer nur auf dem Flughafen rum (lacht).

Die Fragen stellte Christian Hönicke.

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